Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Zweiter Band)

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Ganz anders ist der Fall der beabschiedigten Soldaten; diese, 
in nicht geringer Anzahl, nicht selten mit Familien, beständig 
im Lande umherziehenden Vagabonden, sind eine wahre Land- 
plage, und es ist unbegreiflich, daß diesem Unwesen nicht ge- 
steuert wird. Sind dergleichen Leute Landeskinder , so müssen 
sie irgendwo Heimathsrechte besizen, und es ist kein Grund 
denkbar, warum nicht sie, gleich andern Dürftigen, von der 
dazu verpflichteten Commüne versorgt werden sollten; sind ste 
aber Ausländer, so müßte vom Staate bei ihrer Entlasung 
aus dem Soldatenstande dafür gesorgt werden, daß sie irgendwo 
ein Unterkommen fänden, und nicht dem Publikum zur Last 
fielen. So vjei mir bekannt ist, sind die Garnisonscompagnien 
in Friedrichsort und Nyborg nebst dem Christians Pflegehause 
in Eckernförde zur Aufnahme solcher Individuen bestimmt, ich 
weiß aber auch, dgß es früher wohl der Fall war, daß Leute, 
die mit der Weisung beabschiedigt waren, sich nach einem von 
diesen Orten zu begeben, es vorzogen, im Lande herum zu 
vagiren und sich durch Betteln zu ernähren. Sind nicht 
vielleicht die Polizeibeamten, denen die Pässe und Abschiede, 
in welchen die gegebene Bestimmung bemerkt ist, vorgezeigt 
werden müssen, angewiesen, dergleichen Vagabonden anzuhal- 
ten und fur ihr Hinbringen nach dem angewiesenen Orte 
Sor,e zu tragen? Wie dem aber auch sey, gewiß ist es, 
daß der Unfug des. Bettelns solcher Beabschiedigten groß ist, 
daß fie nicht selten, wenn sie abgewiesen werden, ungestüm 
und grob sind, ja daß sie auf dem Lande, zumal in abgelege- 
nen Wohnungen, die ihnen verweigerte oder nicht reichlich 
genug gebotene Gabso gewaltsam erzwingen, nicht zu gedenken, 
daß sie oft räuberisch verfahren, wie mir denn ein Fall be- 
kannt ist, wo ein solcher Kerl, der nur einen alten. krank im 
Bette liegenden Mann und einige Kinder in einer Kathe 
fand, mit Gewalt die in der Stube hängende Wanduhr mit- 
wh. größten Zusammenfluß solcher Bettler von Profes- 
ion sieht man auf den Jahrmärkten, am stärksten ist er mir 
in Ploen und Segeberg vorgekommen, wo man vor ihrer Zu- 
dringlichkeit sich kaum zu retten vermag, und nicht im Stande 
dieses. Unwesen empfohlen werden. Reichliche Verpslegung 
durch Bespeising und Geld bewirkt Belästignng solcher milden 
Anstalten, indem faule und unverschämte Handwerksbursche 
oft eigene Tagereisen machen, um dergleichen Vortheile zu
	        

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