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[tft in directem Widerspruch mit allen bürgerlichen Verhält-
nissen. .
Der Grundsatz ist zu unbestimmt. Denn was heißt ärzt-
liche Hülfe? CGehört dahin bloß die Hülfe des nächsten Urz-
tes und solcher Arzneien, die in der nächsten Apotheke zu finden
sind? Oder soll vielmehr derjenige Arzt aufgesucht werden,
von dem die Hülfe am sichersten zu erwarten ist? Gehören
die Heilquellen des Auslandes nicht auch in die Classe der
Arzneimittel? Ich sehe nicht, wie man hier eine Grenze
finden und der Forderung ausweichen will, daß es dem Armen
möglich gemachr werden müsse, die Hülfe der in ihrem Fache
ausgezeichnetesten Aerzte zu erhalten, ja selbst Brunnen; und
Badereisen vornehmen zu können. Wahrlich es würde man-
c statteten, alle Hülfsmittel zu gebrauchen, welche die Kunst und
die Natur in so reichem Maaße darbieten,
Auffallend ist ferner der Widerspruch, in dem die jetzige
Krankenpflege der Armen mit demjenigen steht, was die Ge-
see über die Behandlung kranker Schiffsleute verordnen.
Aufwartung, Licht, Kost und Herberge ist alles, was ein Er-
krankter von dem Schiffer verlangen kann, wenn sich kein eig-
ner Schifsarzt am Bord befindet. Und selbst die Kost braucht
keine andere zu seyn, als die gewöhnliche Schiffökost. Wenn
hier, wie es scheint, etwas zu wenig für die Erkrankten ge-
forgt wird, so dürfte auf dem Lande zu viel geschehen.
. Durch die jelzige Krankenpflege werden die bürgerlichen
Verhältnisse in einem nicht geringen Grade verletzt und gleich-
sam auf den Kopf gestellt. Mancher, der in ähnlichen Fällen
für ärztliche Hülfe, wenn Frau und Kinder erkranken, nichts
auszugeben im Stande seyn würde, muß die Cur erkrankter
Vagabonden mit bezahlen, und für die Armen herbeischaffen
helfen, was er sich und den Seinigen versagen müßte. Es
ist irrig, wenn mancher etwa denken mag, daß jeder auf Cur
und ärztliche Hülfe Alles wende, und sich, so zu sagen, ä
tout prix euriren lasse. Selbst in vermögenden Familien hat
die Ausgabe in Krankheitsfällen ihre angewiesene Grenze, die
durch die Vermögensverhältnisse bestimmt wird. Man kann
selbst in einem gewissen Sinne wohl sagen, daß ärztliche Hülfe
als ein Luxusartikel betrachtet werde. Frage man einmal die
Apotheker, wie viel weniger sie im vorigen Jahre eingenom-
men haben, als in den frühern. Von Einem, der eine sehr
gut eingerichtete Apotheke besilt, und keine Concurrenz zu be-
stehen hat, ist mir bekannt, daß er um Neujahr 1822 beinahe
200 Rechnungen weniger hatte, als in den vorhergehenden

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