Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Zweiter Band)

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Schande. Wir können es nur rühmlich finden, daß die Bür- 
ger des Staats auf ihre eigne Hand und ohne ausdrückliche 
Autorisation der öffentlichen Gewalt (die stillschweigende Au- 
ktorisation wird der Regel nach immer vorausgesetzt werden 
können) den Landesfeinden so viel Abbruch thun als möglich 
ist, und als ohne anderweitige Nachtheile geschehen kann. 
Es i't in den neueren Zeiten unter den Criminalisten ein 
sel$samer E treit darüber geführt worden, ob es nicht strasbar 
sey, wenn Nrivatpersonen auf ihre eigne Hand mir den Fein- 
den ihres schon im Kampf b-grisfenen Vaterlandes auch Krieg 
beginnen. Noch vor Kurzem hat v, der Becke *) die Frage 
bejaht ; O erst e d **) dagegen sie, und zwar nach unserm Ber- 
dünken aus triftigen Gründen, verneint, und die Verantwort- 
lichkeit dor Bürger in dem angegebenen Falle darauf beschränkt, 
wenn die Art und Weise, wie gegen den Feind verfahren wird, 
durch Anreizung und Erbitterung desselben dem Wohl der 
Mitbürger Gefahr bringt. Dabei wird es sich jedoch von selbst 
verstehen, daß alles, was gegen den Feind unternommen wird, 
als ein Versuch zur Vertheidigung des Landes muß angrsehen 
werden könne, und nicht aus denjenigen Motiven hervorgehe, 
die bei fonstigen Mordthaten, Todtschlägen und Beraubungen 
zum Grunde liegen. Innerhalb dieser Grenzen gehalten ist der 
Grundsatz, daß Jeder dem Feinde möglichsten Abbruch thun 
dürfe, und daß ein solches Handeln nicht nur gesetzmäßig, son- 
dern lobenswerth und belohnungswürdig sey, vollkommen rich- 
tig, und es ist jedem Staate viel daran gelegen, daß er recht 
lebendig erkannt und anerkannt werde. . 
2) Ueber die Krankenpflege der Armen. 
Es ist eine eben so schwierige als wichtige Aufgabe, die Grenze 
zu bestimmen, zu der die öffentliche Vorsorge für kranke Arme sich 
erstrecken und über die sie nicht hinausgehen darf. So viel scheint 
indeß gewiß zu seyn, daß die gegenwärtige Praxis das gehörige 
Maaß weit überschreite, und den Armen eine Krankenpflege 
zu Theil werden lasse, die mit allen bürgerlichen Verhältnissen 
in directem Widerspruch steht. Wir sagen nicht zu viel, went 
wir behaupten, daß für viele Arme in Krankheitsfällen mehr 
*) Neves Archiv für das Criminalrecht 1. Bd. S. 404-410. 
**) Neùes juristisches Archiv 21sker Band S.67.
	        

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