Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Zweiter Band)

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wir, daß Leute Grundstücke durch Kauf und Erbschaft er- 
werben und daneben eine bedeutende Schuld übernehmen, 
wofür sie neue Obligationen ausstellen, oder bereits früher 
ausgestellte agnosciren, ohne daß es uns einfiele, sie deshalb 
für Leute in schlechten Umständen zu halten. Wir sehen, 
wie Leute ihre Umstände verbessern, nichts desto weniger 
aber ihre Hypothekenschulden beybehalten, ja wir sehen so- 
gar Leute, zur Ausbreitung ihres Gewerbes und zur Ver- 
mehrung ihres Vermögens, und zwar mit Erfolg, Geld auf- 
nehmen und dafür Obligationen ausstellen. Ein blühendes 
Gewerbe muß als solches ein darin angelegtes Capital viel 
höher als mit 4 und 5 pCt. verzinsen, wofür gegen sichere 
Hypothek doch noch Geld zu haben ist, deshalb wird der 
Kaufmann, der Fabrikant und der Handwerker, der sein 
Geschäft mit Glück und Erfolg treibt, auch gerne seine 
Grundstücke verpfänden um ein größeres Capital in seinem 
Gewerbe anlegen zu können. Die Contrahirung von Schul- 
den gegen hypothekarische Verschreidungen ist also kein un- 
krügliches Zeichen schlechter , preshafter Vermögensumstände. 
Aber angenommen, daß dem so sey, so würde es sich doch 
noch fragen, ist der Staat, die Finanzverwaltung, verpflich- 
ket, oder auch nur befugt, hierauf bey Vertheilung der Ab.. 
gaben Rücksicht zu nehmen? Ohne mich zu bedenken ver- 
teine ich diese Frage. Die Finanzverwaltung muß nur Ge- 
rechtigkeit, nicht Mitleid und Nachsicht üben. Die Regeln 
eines vernünftigen Haushalts können es hier zwar erhei- 
schen, rechtmäßige Forderungen in einzelnen Fällen aufzuge- 
ben, um dadurch größern Verlust von einer andern Seite zu 
vermeiden, aber auch nur diese, nicht aber ein bequemes 
Mitleid, welches, ohne eigene Opfer, mit den verwalteten 
Mitteln anderer, zu helfen so geneigt ist, dürfen Remissio-
	        

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