Full text: Staatsbürgerliches Magazin mit besonderer Rücksicht auf die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg (Zweiter Band)

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das menschliche Leben noch mehr bedarf als Brod zur Be- 
friedigung, hätte, dann und nur dann wäre keine Armuth. 
Das. Saamenkorn, das in den Acker gestreut wird, 
fängt damit an, sich zu bewurzeln, und erst nachdem Wur- 
zeln in die Erde gegangen, und in Verhältniß derselben, 
schickt es Hal,ne aufwärts. Gerade dies, diefen naturgemäßen 
Gang lehrt Malthus, und nichts anders will er. Wer sich 
verheirathen will, der muß vorher sich bewurzelt haben; 
wer die Pflicht des Vaters übernehmen will, der muß vor- 
her sich fähig gemacht haben, sie zu erfüllen. Ehen, wenn 
die Eltern durchaus nichts besitzen, als warmes Blut, wer- 
den mißlingen, eben so wahrscheinlich, als ein Heer, wenn 
auch vom besten Muthe beseelt, welches ohne Geschütz gegen 
die Feuerschlüunde des Feindes gehen soll. Derjenige, wel- 
cher eine der folgenreichsten Pflichten, die elterliche Pflicht 
einschärft, ist der ein Feind oder Freund der Menschheit ? 
Wahrlich, wer Malthus schmäht, der hat ihn entweder nicht 
gelesen, oder will ihn nicht verstehen. Wer aber ein Jahr, 
drei Jahre, sechs Jahre wartet, bis er die Braut heirathet, 
wartet, bis er eine einträgliche Stelle erlangt hat, der be- 
folgt den Rath von Malthus. Sein Rath ist eben kein an- 
derer, als der, den zu aller Zeit und überall die Mündigen 
den Unmündigen, an Jahren oder Geist ertheilen, der spricht 
durch seine Handlungen mehr für Malthus, als Worte dg- 
gegen sprechen können. 
Anmerkung. Im. Lauenburgischen ist es zur Schließung einer 
Ehe nothwendig, daß ein Trauschein von der Obrigkeit gelöst werde, 
der aber an keine andere Vedingung geknüpft ist, als daß der. zu Ver- 
ehelichende beweise, er habe eine Wohnung. Bei uns hingegen ist oft, 
wenn blutarme Personen sich verheirathet hatten, ohne für Obdach, 
vielleicht auch nicht einmal für ein Bett zu sorgen, an die Commuüne 
ein Mandat gekommen, daß dem Ehepaar uuverzüglich Wohuung zu 
schaffen scy. Bei nns wird die Copnlation, wie es scheint, an sremdarti- 
gere Bedingungen geknüpft. Ueberhaupt scheint Manches auders im 
§zterbursikten zu seyn, als bei uns ; so 3. B. werden im Laueu- 
rgischen die Stenern bewilligt.
	        

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