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Die Wandlung des Kieler Stadtbildes 
Aus ihrem Jahrhunderte mährenden, faft gefchichts: 
Iofen Dafein ermachte die Stadt Kiel erft, als ihre 
fonft {o gerubhfame Förde, mit Buchenwäldern, Wiefen 
und Steilabhängen reich gefchmückt, zum Kriegshafen 
der deutfchen SZlotte beftimmt wurde. Nach längerer 
Prüfung war die Wahl auf Kiel gefallen. Die Bor- 
züge der Jörde gaben dabei den Ausfchlag. 
Als Kriegsmarineftadt begann Kiel nun jene einzig: 
artige und beifpiellofe Aufmärtsentwiclung bis zum 
Weltfriege. Der Schnelligkeit und dem Umfang des 
Ausbaues entfpricht das ftürmifche Wachstum der 
Stadt. Aus einer mittleren Univerfitätsftadt von 
20000 Einwohnern mird in 50 Zahren eine lebens: 
volle Biertelmillionenftadt. Bor umfaffende Baus und 
Berkehrsaufgaben wurde die Stadtverwaltung geftellt, 
der e$ Faum gelang, bei diefem Entwiclungstempo 
die Überficht und die Führung zu behalten. Wenn 
diefer grandiofe Aufftieg der Kriegsmarineftadt auch 
jederzeit alg fegensreich empfunden wird, {o muß e€$ 
doch bedauert werden, daß er in eine Zeit fiel, in der 
jede Fünftlerifche Geftaltungsfraft wie erlofchen fchien, 
in der auch jeder Wille zu einer umfaffenden Lsfung 
der Wohnungsfrage oder felbft nur zu einer ent 
{chloffenen Planung auf dem Gebiet des Straßen 
  
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und Berkehrswefens als unzeitgemäß galt. Im Naufch 
des FZortfchritts mar die Kraft zur Ordnung erlofchen, 
und für dag Stadtbild mußte es fich fehr törend aus“ 
mirkfen, daß jahrhundertealte Erfahrungen des Stbl 
baues in Bergeffenheit geraten waren. 
Nach 15 jähriger, allerdings fiefgreifender Unter“ 
brechung und LCahmlegung des Aufbaues unferet 
Stadt hat num feit der nationalfozialiftifchen Revolu/ 
tion für Kiel ein Lebensabfchnitt begonnen, der nich! 
nur an die Wachstumsprinzipien der Borkriegszeit 
wieder anfnüpft, fondern noch über das Entwicklungs! 
maß der vergangenen Jahrzehnte hinausgegangen if 
und weiter hinausgehen wird. Wenn fchon in del 
Borkriegszeit von einem ftürmifchen Wachstum ge 
iprochen werden mußte, {o erforderten die leßten 
6 Hahre des Neuaufbaues ftet$ neue und umfalfendert 
Planungen, um die Entwicklung überhaupt in vet 
Hand zu behalten. Wer die Stadt von Befuchen in 
der Zeit zwifchen 1918 und 1933 Fennt und jeßt Ger 
legenheit hat, diefe Stadt miederzufjehen, if aufs 
höchfte überrafcht von der Wandlung, die fich hielt 
vollzogen hat. Sin neuer verheißungsvoller Abfchnitt 
in ihrer mechfelvollen Gefjchichte hat begonnen. 
U 
Am 
Seegarten 
  
 
	        

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