Full text: Kieler Adreßbuchbuch mit Elmschenhagen, Heikendorf mit Schrevenborn (einschl. Kitzeberg) und Neuheikendorf, Kronshagen, Molfsee, Mönkeberg, Moorsee, Poppenbrügge, Russee, Suchsdorf, Wellsee 1938 (1938)

  
Ichaftlicher Entwidlung ein. Mit dem IOnellen 
Wachfen der Kriegsmarine erlebte das Erwerbs- 
und Wirtfchaftsleben der Stadt, das ganz auf Die 
Kriegsmarine eingeftellt war, einen faum vorftell- 
baren Yuffchwung. In diejen Jahren ent/tanden 
auf dem Ofjtufer der Binnenförde die ausgedehn-= 
ten Werften und Arfenale des Kriegs- und Han- 
Ddelsjchiffbaues mit den großen aglasgededten Hel- 
lingen der Germaniawerft, die gewaltigen Doc 
anlagen der heutigen Deutidhen Werke A.G. mit 
ihren Rränen, die ein Wahrzeichen RKiels find. 
Die Kafernen, Lazarette und Marineverwaltungs- 
gebäude, die große Flächen in der Innenftadt, im 
Stadtteil Düfternbrook und vor allem im Stadt- 
teil Wifk einnehmen, find Zeugen der militärifchen 
Entwicklung. Es ijt fragijcdh, daß man, wie auch 
in vielen anderen Sroßitädten mit gleich fprung- 
hafter. Entwicdlung, nicht die Zeit und Mittel 
jand, den materiellen Aufichwung in Formen von 
fulturellem Wert zu gießen. So fielen auch in 
Kiel viele ehrwürdige und großartige Zeugen der 
Bergangenheit der Spibhade zum Opfer, um 
Zwedbauten Plag zu Ichaffen. Es wuchjen ganze 
Stadtviertel wie Pilze aus der Erde, Miets- 
  
Universität mit Kaiser Wilhelm I.-Denkmal 
fajernen von Sder Mafjenhaftigkeit. Der Welt: 
frieg mit feinen befonderen Anforderungen an die 
Kriegsmarine bedingte einen weiteren Ausbau der 
Werften und der zahlreichen Nebeninduftrien, der 
immer wieder Arbeitskräfte aus dem Reich an die 
Waffjerkante 306. So zählte die Stadt im unglüc 
jeligen Jahre 1918 245 000 Einwohner. 
Der Ausgang des Weltkrieges traf die Stadt 
emjiger Arbeit an ihrem Lebensnerv. Das Diktat 
von Berfailles vernichtete Die tolze deutfche Flotte, 
die Befeftigungsanlagen zu beiden Seiten des 
Eingangs zur Rieler Förde mußten gefchleift wer- 
den. Die Schiffbauwerften und mit ihnen die 
zahlreichen Nebeninduftrien, die faft ausfchließlich 
für die Kriegsmarine fätig waren, wurden be- 
1HÄftigungslos. ES brach eine große Notzeit für 
Die jtolze Rriegsmarineftadt an. Wenn auch die 
Peifimijten der damaligen Zeit nicht recht be: 
hielten mit ihrer Borausjage, daß Niels Bedeu- 
fung der Vergangenheit angehöre, die durch den 
verlorenen Krieg gefchaffene Situation auswealos 
jet und Kiel wieder zum Fijcherdorf herabfinken 
würde, jo blieben die von der Stadtverwaltung 
und der Kaufmannfchaft ergriffenen Maßnahmen 
  
Photo: Urbahns, Kiel 
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