Full text: (1927)

  
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daß e8 das alte Rathaus in Kiel gewefjen ift, vor dem 
in der ewig denkwürdigen Nacht zum 24. Wärz 1848 
die prodvijorijche Regierung von Schleswig-Holitein er= 
Färt worden ijt. ES ift heute vielleicht nicht überflüffig, 
daran 3u erinnern, daß ih von diejem Tage an die 
gejchichtlidhen Ereignifje über den deut[h-Ddänijdhen 
Krieg von 1864, den. deutfch=öfterreichijchen Krieg von 
1866 bis 3u der Kaijerproflamation von 1871 folge= 
richtig entwidelt haben. Einige Wurzeln des deutjhen 
Kaiferreichs, deffen Untergang wir im Hahre 1918 er- 
lebt haben, liegen doch in Kiel, in jener Nacht der Erz 
hebung Schleswig=Holiteins. 
Wir find der Entwicklung etwas vorausgeeilt, und 
e$ muß noch erwähnt werden, daß in dem offenen 
Kampfe, der fich 1848 gegen Dänemarf erhob, es Stuz 
denten und Turner aus Kiel waren, die in dem Ge 
fecht bei Bau am 9, April 1848 geblutet haben. Aber 
die Dänen fiegten doch in dem ungleidhen Kampf, und 
die folgenden Yahre der Reaktion waren auch für Kiel 
unerfreulich. Riel und die Univerlität waren auch in 
diefen Jahren die Führerin. Das Verhältnis 3wijchen 
Holitein und Dänemark hatte ich jeit den erften Yahren 
der a im Jahre 1773 von Grund aus ge= 
wandelt. Der Tod des legten OldenburgerS in Däne- 
marf im Sahre 1863 Hang auch den Kielern nach 
Storms Worten wie ein Ofjterglodenläuten. Um 
29. Dezember 1863 rücten die Truppen des Deutjchen 
Bundes in Kiel ein und machten damit der Dänijchen 
Bedrücung endgültig ein Ende. AWber an Stelle der 
von den Legitimijten erftrebten Selbjtändigkeit unter 
Herzog Friedrich VIM. von Auguftenburg trat die Cin- 
verleibung der Herzogtümer in den preußijchen Staat, 
die am 24, HYanuar 1867 im Kieler Schloß verkündet 
wurde. Damit jOHließt die Gefjchichte des alten Kiel. 
Mehrere Berivden in der Entwicklung diefer Stadt 
lafijen fi deutlich unterfcheiden. Cine Blütezeit, die 
bald nach der Gründung einfeßt und auch im 14. $Yahr- 
hundert anhält, Kiel eine aufitrebende See= und Hanfe= 
jtadt, Dann das Kiel des 15. bis 18. Hahrhunderts, _ 
eine Landjtadt mit geringer Bedeutung troß des Hafens. 
Die dritte Periode jeit 1773, die wieder viel Nehnlichkeit 
mit der erjten hat. AWber immer noch eine Stadt von 
mäßiger Größe, ohne weittragende Bedeutung. Diefje 
Stadt endigte bald nach der Annerion durch Breuben, 
Das Kiel in feiner vierten Periode, die Marineftadt, 
die unheimlich jHnell zu einer großen Stadt geworden: 
ift, ähnelt den alten Kiel fajt nicht mebhr. Diefe vierte 
Berivode ijft 1918 zu Ende gegangen, und wir jteben 
nun mit vollem Bewußtfein 
am Beginne des fünften 
Kapitels der Stadtgejchichte. 
  
Das neue Kiel. 
Das Kiel von heute, das nicht mehr wie bi8 zum Auss 
gang des KriegeS ausfchließlich für die ANarine 
lebt, hat jeine Aufgabe in der Weltwirtjchaft, die 
ficherlidh nicht unwichtiger ijt al8 feine frühere. Kiel 
muß an fjeiner Stelle Mittelpunkt jein für deutfches 
Leben, deutfches Wirtfchafts= und deutjches Geijtesleben, 
um dem {Hwerfämpfenden Deutjchtum der NWordmark 
einen fejten Rückhalt zu bieten. Eine gewaltige YUuf= 
gabe für eine Stadt, die beim Ende des Krieges in= 
folge de8 BVerlufjtes unjerer Flotte vor dem Nicht? 
jtand. Schnell hat fich das Wirtihaftsleben der Stadt 
von dem eine8 NReichsSkriegshafens zu dem eineS Yn- 
Dduftries und Handelshafens umgejtaltet in energifcher 
Arbeit, die in Fürzefter Zeit und unter den jHhwerften 
BVerhältniffen der Nachkriegszeit geleiftet werden mußte. 
Heute befindet fih Kiel auf dem Wege zum neuen 
Ziele. Manche glüclidhen Umjtände jeiner natürlichen 
Lage Famen ihm bei der Löjung jeiner Aufgaben 3u- 
ute. Die Kieler Förde bildet den denkbar beiten 
aturhafen, der die Stadt zum Handelsplaß voraus- 
beftimmte. Diejer Umftand erfuhr noch eine Förderung, 
al8 der Nordoftjeekanal, dieje großartige Verbindung 
3zwijchen Nordfjee und Atlantik einerfeit® und den Ojt= 
jeegewäjjern anderfeits, Kiel in unmittelbare Berührung 
mif einem der HSaupthandelswege der Welt brachte. 
Denn Heute geht der Weijtojtjeeverfehr in der Haupt- 
jache durch den Kanal, der 1926 an 50000 Schiffe mit 
einem Gejamtgehalt von 18000000 onen pajiteren 
ließ. — Bor dem Kriege war Kiel in jeiner Eigenjdhaft 
als Kriegshafen nicht in der Lage gewejen, dieje günftigen 
Vorbedingungen eine8 Handelshafens gebührend auss 
3zunüßen. Nunmehr aber hat die Stadt freie Hand, 
und e8 ijt ihr gelungen, durch umfangreiche Hafen- 
augbauten, verjfehen mit den moderniten Lö h= und 
Ladeeinrichtungen, drei neue Häfen 3u entwideln, einen 
am Kanal jelbjit unmittelbar vor feiner YMiündung in 
die Kieler Förde, einen zweiten an der Mündung 
des Kanals direkt, und einen. dritten Ihließlich in dem 
  
Um» und Ausbau des alten Kieler Binnenhafens, An 
den Kais diejer neuen Häfen erheben fich moderne Silos ) 
und Lagerhäufer und vermitteln den Umfcohlag “des 
Atlantik auf die fer ne 
Daneben ijt Kiel nicht zulegt durch feine Lage an 
der fchönften Ddeutjchen Förde zu einem beliebten 
Ss a und Kongreßort geworden, der in den lekten E 
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ren Taujende von Ddeutjhen Binnenländern in 
jeinen Mauern begrüßt hat. Auch das, was Kiel in 
[rüberen Zeiten bejonderen Glanz verlieh, nämlich die 
jportliden und fejtlichen BVeranitaltungen anläßlich der 
großen, jtet8 im Yuni jtattfindenden Kieler 
in den legten Yahren in erfreuender Weifje aufgelebt, 
jo daß wir bei den Veranitaltungen der Kieler Woche 
in jedem Jahre wieder auf zahlreichen ausländijchen 
Bejuch werden rechnen fönnen. Sehr bedeutfjam für 
die Fulturelle Stellung Kiel8 al8 Landeshauptitadt der 
Provinz Schleswig-Solitein ijt jodann die all ährlich 
itattjfindende Kieler Herbitwoche für Kunft und Wijjen: 
jhaft, die dem Nordmärfer die Bekanntichaft mit den 
hervorragendijten Vertretern deutjcher Wifjenj aft und 
oche ift. 
deutjcher Bühnenkunjt vermittelt. So ijt Kiel, eine 
Sroßitadt mit ungefähr 220 000 Einwohnern und Sik 
einer hervorragenden Univerfität, feit einigen Yahren, 
nach) den jhweren Schikjalsfchlägen, in ein neues. Ö 
Stadium feiner Gejchichte und Entwicklung getreten, 
das die aufftrebende Stadt hoffentlich zu neuen Zielen 
und damit zu einer neuen Blüte führen wird. 
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