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fach) unter verfhiedenen Landesherren geteilt worden
jindD. AWber man teilte Jo, daß jeder der regierenden
Herren Teile von Schleswig und Teile von Holitein
erhielt. So Fam Kiel zum jogenannten Gottorpijdhen
Anteil, defjfen Herricher im Yahre 1544 Herzog Adolf
wurde, König Chrijtiang Enkel. AWber die Hauptrefidenz
wurde doch nicht das Kieler Schloß, jJondern .Schloß
SGottorp bei Schleswig. Unter den erften Herrichern
aug dem Haufe Gottorp hat Kiel die befchaulichijte Zeit
jeiner ganzen Gejchichte durchlebt, und es ift für die
nächiten 80 Yahre kaum ein Ereignis zu verzeichnen,
dag von einfjhneidender Bedeutung gewejen wäre. Erft
die Zeiten des dreißigjährigen Krieges haben auch Kiel
mehrfach in Mitleidenjchaft gezogen. AlZ die Wallen=
jteiner und Tilly 1627 die Herzbgtümer überjhwemmten,
fapitulierte auch Kiel, und im Yahre 1628 Hatte die
Stadt obendrein eine Bejchießung durch die dänijche
. Flotte augzuhalten. Dann wieder in den Yahren
1643/44 hatte der jhwedijhe General Torjtenjon hier
jein Hauptquartier; er eroberte bei diejer Gelegenheit
die Feitung Chrijtiangprieg, die heute Friedrichsort
heißt. 1644 erjchienen wieder KFaijerliche Truppen unter
Seneral SGallag, brand{hakten die Stadt und eroberten
dag Schloß. Algbald FKehrten die Schweden unter
AWrangel zurüc, vertrieben die nunmehrige dänijche
Bejagung und verbrannten dag Dorf Brungwifk. Unter
all diejfen Kriegsgreueln hielt Herzog Friedrich IM. in
SGottorp eine der glanzvolliten Hofhaltungen des
Nordenz und pflegte Künfte und Wilffenfchaften. Aus
Ddiejer Zeit haben wir Heute noch einen fichtbaren Reit
der weitblidenden . Handelspolitiicdhen Verfuche Des
Herz0g$. Noch heute fteht ein Teil der fjogenannten
perfianifchen Häufer am Markt. Heute find es Wohn-
häufer, aber ur]prünglich waren fie alg Backhäufjer
gedacht; fie jollten dazu dienen, der Stapelplag für
den aug Verlien nach Kiel zu leitenden Seidenhandel
zu fein. Aus diejem Plan wurde jedoch nichts, wir
befißen aber immerhin noch die in der deutfchen Litera=
tur berühmte Reifjebefchreibung des gelehrten gottorpi-
jhen Bibliothefarg Adam Olearius, der an der herz0g=
lichen Gejandtjchaft an den Schah von Perlien teil=
genommen hatte. An diejer Gejandtjchaft beteiligte fich
auch der Dichter Paul Flemming, von dem das bekannte
Lied ftammt: „Hn allen meinen Taten laß ih den
Höchijten raten“, und in Ddiejem Zujammenhang mag
aucd) daran erinnert werden, daß noch ein anderer bes
fannter Rirchenliederdichter, Georg Neumark, eine Zeit
in Kiel gelebt hat und hier im Yahre 1641 jein Lied:
„Wer nur den lieben Gott läßt walten“ gedichtet hat.
Auch andere Bläne diejer Zeit, dem Handel Kiel8 auf»
3zubhelfen, haben feinen jonderlidhen Erfolg gehabt; es
ijt, aber immerhin interejjant, daß noch in die Zeiten
ihwerer Bedrängnis im Dreißigjährigen Kriege das
erite Nord-Oftjee=-Kanal-Brojekt fällt. Ueber allerlei
Bläne, Kiel wieder zu einer Handelsitadt zu machen,
ijt man überhaupt im Laufe der Yahrhunderte nicht
hinauggefommen; nur alljährlich zur Zeit des Um»
ichlages, im Yanuar, war Kiel lange Zeit wirklich der
Mittelpunkt aller Geldgejchäfte in Holitein.
Der eben genannte Herzog Friedrich III. wollte
auch, für fein Land eine Univerfität gründen und ers
° Jangte auch 1652 ein faijerliches Privileg; aber erft Jein
Sohn Herzog Chrijtian Albrecht hat im Yahre 1665 die
Univerfitätsgründung wirklich zujtande gebracht, indem
er die aus dem alten Bordegholmer Klofter nach der
Reformation erwachjene Schule 1665 nach Kiel verlegte
und zur Univerfität umwandelte. Hierdurch erlangte
‚Kiel die neue Stellung des geiftigen Mittelpunktes der
Herzogtümer, freilich nicht zu allen Zeiten, denn um
die Mitte des 18. Yahrhundert$ war die Univerfität [0
heruntergefommen, daß Kie nicht einmal imftande war,
ihr bhundertjähriges Yubiläum 3zu feiern. Yım Jahre
1767 wurden nur acht Studenten immatrikuliert. Yhre
Hauptbedeutung über die Grenzen Holiteing hinaus
hat aber die Univerfität Kiel in den politijH bewegten
Zeiten von den 1830er Yahren ab bis zum Beginn der
preußijchen Zeit gehabt. Damals war fie wirklich einz mit
der Stadt Kiel und mit den Herzogtümern; unfere heutigen
politijdHen Zujtände weifjen die Univerfität darauf hin,
lich ihre alte politijdhe Stellung wieder zu erobern.
„War jomit das Jahr. 1665 denkwürdig für Kiel, Jo
fönnen wir das Yahr 1667 als ein rechtes Unglücksjahr
bezeidhnen. Das kam fo. Vom 13. big zum 15. Yahr-
hundert wurden für die geiftlidhen Stiftungen der Stadt
nicht weniger al8 16 Stadtdörfer erworben, die vom
Rate der Stadt verwaltet wurden. AWber dieje Verz
waltung war nicht ganz einwandfrei. Yın 16. Yahr-
hundert verlangte Herzog Adolf Rechnungslegung; der
Rat widerjeßte fich aufs Außerfte. Endlich erließ Kaifjer
Maximilian U. ein Mandat gegen Bürgermeifter und
Rat, und es wurden 1572 die Stadtdörfer dem Herzog
auf 20 Jahre in Bacht überlaffen. Dieje Bacht wurde
dann immer wieder verlängert, big endlich im NYahre
1667 die Stadt diejen gewaltigen Grundbeliß durch den
VBermutationsfontrakt dem Herzog Chriftian Albrecht
förmlich) abtrat. So ‚wurde Kiel wieder ‚eine feine
Stadt, nicht viel größer, alg fie im 13. Yahrhundert -
gewejen war. Einige von diejen Dörfern find erft nach»
träglich wieder eingemeindet worden: Hafjffee, Wif,
SGaarden, Wellingdorf.
Die feit 1544 beftehende fjogenannte gemeinfchaft=
liche Regierung war befonders-in der zweiten Hälfte
des 17. HYahrhunderts, unter Herzog Friedrich LI. und
vor allem unter Herzog Chrijtian Albrecht, die Quelle
dauernder Streitigkeiten zwijcdhen dem Gottorper Herzog
und dem König von Dänemark. Sie wurden verjchärft
dadurch, daß Die beiden Herren im nordijhen Kriege
Gegner waren, indem der Gottorper Herzog auf der Geite
von Dänemarks Feinden, den Schweden, ftand. Die
Einzelheiten diefer langen Kämpfe, die der eurvopdijchen
Sejchichte angehören und in denen die Stadt Kiel oft
und jOhwer zu leiden hatte (1657 nahm der Schweden=
fönig Karl Guftav, Herzog Friedrichs IN. Schwiegers
john, mit fünf Regimentern in Kiel Quartier), fönnen
hier nicht vorgeführt werden. Das Ende der Entwiclung
war, daß der dänifche König im Yahre 1720 die Abtretung
des Gottorpijhen Teils von Schleswig an Dänemark
erzwang. Damit hörte Gottorp auf, die Refidenz des
Herzog8 3u fein, und Ddiejer Vorzug fiel nunmehr der
Stadt Kiel 3u.
Herzog Karl Friedrich, Chriftian Albrecht Enkel
und Schwiegerfohn Peter des Großen von Rußland,
hatte lange in Rußland gelebt. Ein großer Felttag
war daher für Kiel der 24 Auguft 1727, al8g Herzog
Karl Friedrich und Jeine junge Gemahlin Anna Betrowna
bier ihren Einzug hielten. Hier in Kiel hat dann die
Herzogin im Yahre 1728 ihren Sohn Karl Beter Ulrich
geboren, ijt aber fjelbit ein Vierteljahr darauf; kaum
21 Jahre alt, geftorben. Bis 1739 hat Karl Friedrich, alg
der legte angeftammte Nielijche Herzog, der in perjöün=
liden Beziehungen zu feinem Lande geftanden Hat,
hier refidiert, lebhaft interefliert für Kirdhen= und Schul=
wejen, für Ailitär und Cheater. 1739 {tarb er und
liegt in der Bordesholmer KlofterfirhHe begraben. -
Der Sohn Peter wurde von feiner Tante, der Kaijerin
Elijabeth von Rußland, 1742 en Großfürjten-Throns
folger von Rußland erklärt. Er wurde Jpäter ruffijcher
Kaifjer und der Gemahl der Qeoden Kaijerin Katharina 1L.,
die ihn 1762 ermorden ließ. So war nun aus der
Familie der Kielilhen Herzöge das ruffijche Kaijerhaus,
dag Herzogtum Hoktein-Gottorp zum Nebenland des
rujlijchen Reichs geworden. Yn Kiel wurde die Res


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