hat, die dann für längere Zeit die einzige geblieben
ijt. Das Franzigfanerflofter, die Gründung des Grafen
Adolf, des Begründer8 der Stadt Kiel, der jelbit alg
Mönch im Yahre 1261 hier geftorben und begraben
ijt, JOhenkfte Rönig Friedrich 1530 der Stadt, eS wurde
Armenhaus, feine Kirche wurde {tädtijch, die Heiligen:
geijtfirche. Das Heiligengeiftflofter in der Holftenitraße
wurde jeßt hierher verlegt.
Hm Yahre 1460 Hatte König Chriftian I. die be=
fannte Zuficherung geben müffen, daß Schleswig und
Holitein. auf ewig ungeteilt zufjammenbleiben Jollten.
Das hat aber nicht verhindert, daß die Länder mebhr=
fach unter verjhiedenen Landesherren geteilt worden
find. AWber man teilte fo, daß jeder der regierenden
Herren Teile von Schleswig und Teile von Holitein
erhielt. So fam Kiel zum fogenannten Sottorpifjchen
Anteil, deffen Herricher im Yahre 1544 Herzog Adolf
wurde, König Chriftiang Enkel. Aber die Haupfrejidenz
wurde doch nicht das Kieler Schloß, jondern Schloß
Sottorp ‚bei Schleswig. Unter den erften Herrichern
aus dem Haufe Gottorp hat Kiel die befchaulichite Zeit
jeiner ganzen Gejchichte durchlebt, und es ijt für die
nächjten 80 HYahre kaum ein Ereignis zu verzeichnen,
das von einfchneidender Bedeutung gewejen wäre. Erit















mehrfach in Mitleidenjhaft gezogen. AlS die Wallen-
jteiner und Tily 1627 die Herzogtümer überjhwemmten,
fapitulierte auch) Kiel, und im Yahre 1628 hatte die
Stadt obendrein eine Bejchießung durch die dänifche
Flotte auszuhalten. Dann wieder. in den HYahren
' 1643/44 hatte der jhwedijhe General Toritenfon hier
jein Hauptquartier; er eroberte bei Ddiejer Gelegenheit
die Feitung Chrijtianspries, die heute Friedrichsort
heißt. 1644 erfchienen wieder faijerliche Truppen unter
General Gallas, brand{hasten die Stadt und eroberten
das Schloß. Alsbald Fehrten die Schweden unter
Wrangel zurück, vertrieben die nunmehrige dänijche
— Bejagung und verbrannten das Dorf Brunswik. Unter
all diejen Kriegsgreueln hielt Herzog Friedrich IM. in
Sottorp eine der glanzvolliten Hofhaltungen des
Nordens und pflegte Künfte und WiffeniHaften. Aus
diejer Zeit haben wir heute noch einen fichtbaren Reit
der weitblidenden handelspolitijhen VBerfuche des
Her30g8. Noch heute jteht ein Teil der fogenannten
— perfianijchen Häufjer am Markt. Heute find es Wohn
Däufer, aber urjprünglich waren fie al8 Backhäufer
gedacht; ie follten dazu dienen, der Stapelplag für
den aus Perfien nach Kiel zu leitenden Seidenhandel
3u jein. Aus diejem Plan wurde jedoch nichts, wir
bejißen aber immerhin noch die in der deutfchen Literas
tur berühmte Reifjebejchreibung des gelehrten gottorpi-
jOhen Bibliothekar Adam Olearinus, der an der herz0g=
lichen Gefandtfchaft an den Schah von Berfien teil-
genommen hatte. An diejer Gejandtjchaft beteiligte fich
auch der Dichter Paul Flemming, von dem das bekannte
Lied jtammt: „In allen meinen Taten laß ich den
Höchften raten“, und in diejem 3Zujammenhang, mag
auch daran erinnert werden, daß noch ein anderer be
K A
% SE
die Zeiten des dreißigjährigen Rriege8 haben auch Kiel.
HM Ni MA
EAN
Fannter Rirchenliederdichter, Georg Neumark, eine Zeit
in Kiel gelebt hat und hier im Yahre 1641 fein Lied:
„Wer nur den lieben Gott läßt walten“ gedichtet hat.
Auch andere Pläne diejer Zeit, dem Handel Kiel8 auf»
3zubhelfen, haben feinen jonderlidhen Erfolg gehabt, es
ift aber immerbin interefjant, daß noch in die Zeiten
jhwerer Bedrängnis im Dreißigjährigen Kriege das
erjte Nord-Oftfee-Ranal-Projeft fällt. Über allerlei
Pläne, Kiel wieder zu einer HandelSitadt zu machen,
ijt man überhaupt im Laufe der Yahrhunderte nicht
hinausgefommen; nur alljährlich zur Zeit des Um
ichlages, im Yanuar, war Kiel lange Zeit wirklich der
Mittelpunkt aller Geldgefchäfte in Holitein.
Der eben genannte Herzog Friedrich III. wollte
auch für fein Land eine Univerfität gründen und er=
langte auch 1652 ein faijerliches Privileg, aber erft jein
Sohn Herzog Chriftian Albrecht hat im Yahre 1665 die
Univerfitätsgründung wirklich zujtande gebracht, indem
er die aus dem alten Bordesholmer Kloiter nach der
Reformation erwachjene Schule 1665 nach Kiel verlegte
und zur Univerfität umwandelte. Hierdurch erlangte
Kiel die neue Stellung des geiftigen Mittelpunktes der
Herzogtümer, freilich nicht .zu allen Zeiten, denn um
die Mitte des 18. Yahrhundert® war die Univerfität 10
heruntergefommen, daß fie nicht einmal imfjtande war,
ihr hundertjähriges Jubiläum zu feiern. Im Hahre
1767 wurden nur acht Studenten immatrikuliert. Shre
hat aber die Univerfität Kiel in den politijdh bewegten
Zeiten von den 1830er Yahren ab bis zum Beginn der
preußijchen Zeit gehabt. Damals war fie wirklich eing mit
der Stadt Kiel und mit den Herzogtümern ; unjere heutigen
politiidhen Zuftände weifen die Univerfität darauf hin,
jich ihre alte politijdhe Stellung wieder zu erobern.
War jomit das Yahr 1665 denkwürdig für Kiel, fo
fönnen wir das Yahr 1667 als ein rechtes Unglücksjahr
bezeichnen. Das fam jo. Vom 13. bis zum 15. Yahr-
hundert wurden für die geiftlidhen Stiftungen der Stadt
nicht weniger al® 16 Stadtdörfer erworben, die vom
Rate der Stadt verwaltet wurden. AWber dieje Ver=
waltung war nicht ganz einwandfrei. Yım 16. Yahre,
hundert verlangte Herzog Adolf Rechnungslegung; der |
Rat widerfekte fich aufs äußerfte. Endlich erließ Kaifjer
Maryimilian II. ein Mandat gegen Bürgermeifter. und
Rat, und es wurden 1572 die Stadtdörfer dem Her3z0g
auf 20 Jahre in Bacht überlafjen. Diefe Bacht wurde
dann immer wieder verlängert, bis endlidy im Habhre
1667 die Stadt diejen gewaltigen Grundbelig durch den
Vermutationsfontraft dem Herzog Chrijftian Albrecht
förmlich abtrat. So wurde Kiel wieder eine feine
Hauptbedeutung über die Grenzen Holjteing hinaus |

Stadt, nicht viel größer, al8 fie im 13. Yahrhundert 7
gewejen war. Einige von diejen Dörfern find erft nadh=
träglich wieder eingemeindet worden: Hafflee, Wi
SGaarden, Welingdorf. ed
Die jeit 1544 beftehende jogenannte gemeinfhafte
lie Regierung war befonders in der zweiten Hälfte
des 17. Jahrhunderts, unter Herzog Friedrich II. und
vor allem unter Herzog Chriftian Albrecht, die Quelle



A A A| % Rn
6 A MS CE
A
AA
a a ad
A

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.