Full text: (1903/1904)

Vielleicht hat niemand ein Wort der Klage von ihm ver 
nommen, niemals einer seiner Freunde, vielleicht nicht einmal ie 
Gattin, die ihm mit aufopferndster Pflege zur Seite stand. An das 
Mitleid anderer Menschen hat er sich nie gewandt. 
So trat denn in der letzten Zeit immer klarer und imposanter 
eine Seite seines Wesens heraus, die sonst hinter seiner liebens 
würdigen und herzgewinnenden Freundlichkeit fast verschwinden 
konnte, das Große und Starke seiner Natur. Und ich meine, es 
ist ein wundervoller Trost für alle, die ihm nahe standen, daß man 
ihm nachsagen kann das eine: Er war ein ganzer Mann, und. daß 
man gleich hinzufügen darf: Er war, da er lebte, ein glücklicher 
Mensch. 
Diese Überzeugung gewinnt man bald, wenn man den Spuren 
dieses Lebens nachgeht, dessen Verlauf wir in aller Kurze vor un- 
serm geistigen Auge vorüberziehen lassen. 
Arthur Milchhöfer wurde am 21. März 1852 zu Schirwindt 
in Ostpreußen geboren. Die Familie war ursprünglich aus dem 
Österreichischen zugewandert, und es macht ganz den Eindruck, 
als ob die liebenswürdige süddeutsche Art mit dem kernigen ost 
preußischen Charakter in seinem Wesen eine glückliche Vereinigung 
gefunden hätte. Sein Vater, ein angesehener Arzt, konnte dem 
Knaben in dem kleinen Heimatsstädtchen, hart an der Grenze, nicht 
die wünschenswerte Ausbildung geben und mußte ihn früh aus 
dem Hause tun. So kam er nach Tilsit und absolvierte dort das 
Gymnasium. 
Die erste akademische Ausbildung erhielt er in Berlin. Da 
brach im Sommer 1870 der Krieg aus, und da der blutjunge Student 
nicht, wie er wünschte, in Reih’ und Glied gestellt wurde, ging er 
wenigstens als freiwilliger Krankenpfleger mit. 
In Berlin trat Milchhöfer in nähere Beziehung zu E. Curtius, 
dem er wohl die Anregung zu seinen topographischen Studien ver 
dankt. 1873 treffen wir ihn in München, wo ihn Brunn anzog, 
dessen Name damals eine große Zahl tüchtiger junger Archäologen 
nach München führte, darunter A. Furtwängler, mit dem er bis 
zuletzt freundschaftlich verbunden war. 
Seine Erstlingsschrift, zu der ihm E. Curtius die Anregung 
gegeben hatte, war die Dissertation „Überden Attischen Apollon “ (1873). 
Bis zum Mai 1874 blieb er noch in München, bereitete sich 
dann in seiner Heimat zum Staatsexamen vor, das er in Königsberg
	        
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