Full text: Chronik der Universität Kiel für das Jahr 1903/1904 (1903/1904)

II. Berichte der Direktoren und Vorstände. 
1. Universitätsbibliothek. 
Bericht über die Verwaltung der Königlichen Universitäts- 
Bibliothek zu Kiel im Etatsjahre 1903. 
Der Bericht hat an erster Stelle von einem für die Bibliothek 
hochbedeutsamen und wichtigen Ereignis zu sprechen, einem Ereignis, 
so wichtig, wie sie es während ihres Bestehens selten erlebt hat: ihr 
hochverdienter Leiter, der Geheime Regierungsrat Professor Dr. jur. 
Emil Julius Hugo Steffenhagen, sah sich aus Gesundheitsrücksichten 
veranlaßt, sein Amt niederzulegen. Seitdem er am 1. November 
1875 mit der Leitung der Bibliothek beauftragt und im Februar 1876 
definitiv zum Universitätsbibliothekar ernannt wurde, hat er mit 
unvergleichlicher Pflichttreue für die Interessen der Bibliothek un 
ausgesetzt gesorgt. Er hat mit außerordentlicher Begabung und 
Fachkunde eine mustergültige Anstalt aus ihr geschaffen. Die vor 
handenen, größtenteils mangelhaften Kataloge hat er zu möglichst 
brauchbaren Hülfsmitteln für die Benutzer gemacht, für große Teile 
der Bibliothek hat er zu den ihnen fehlenden systematischen 
Katalogen die Grundlage gelegt, der alphabetische Hauptkatalog 
wird immer ein glänzendes Zeugnis seiner Tätigkeit bleiben. Nicht 
minder ist die neue Ordnung und Aufstellung der ganzen Bibliothek 
nach den ursprünglich geltenden, aber allmählich in Nichtachtung 
geratenen Ordnungsprinzipien, die Etikettierung und Numerierung 
sämtlicher Bücher in der Bibliothek, durch die ihre Auffindung ganz 
wesentlich erleichtert worden ist, sein hervorragendes Verdienst. 
Die bis zu seinem Dienstantritt fast unbenutzbaren Universitäts- und 
Schulschriften, sowie die Zeitungen hat er in ein so festes, sicheres 
und übersichtliches Gefüge gebracht, daß man sich mit größter 
Leichtigkeit in ihnen zurechtfinden kann. Seinem rastlosen Eintreten 
verdankt es die Bibliothek, daß sie im Jahre 1884 aus den un 
genügenden Räumen im Schloß in ein neues, ihrer würdiges Ge 
bäude ziehen konnte, das allen gerechten Ansprüchen der Benutzer 
entsprach — wer konnte damals denken, daß die Räume jetzt schon 
nicht mehr ausreichen würden, und doch ist’s so und ein Anbau
	        
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