Full text: Chronik der Universität Kiel für das Jahr 1902/1903 (1902/1903)

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leben) tätig zu sein, dann im Winter das Studium in Kiel fortzu 
setzen und es im Februar 1850 mit dem Staatsexamen abzuschließen. 
Bald darauf als Assistent der medizinischen Klinik eingetreten, zog 
er im Juli wiederum ins Feld und war in den Lazaretten von 
Glückstadt und Schleswig, nach vorübergehender Gefangenschaft 
auch in Rendsburg tätig. Im Dezember 1850 promovierte Bocken 
dahl mit einer Dissertation über die Schußwunden des Unterkiefers. 
Für manches Anderen Ausbildung möchte solche vielfache Unter 
brechung des Studiums vielleicht verhängnisvoll gewesen sein und 
dauernde Lücken hinterlassen haben, gereifteren und ernsteren 
Naturen diente der Anblick der Kriegsnot in den Lazaretten viel 
mehr zum Sporn und zur lebendigen Lehre, durch den Hinweis 
auf die Bedeutung gründlichen Wissens für den Arzt. 
Von 1851 ab übte Bockendahl in der Stadt Schleswig ärztliche 
Praxis, die, anfänglich durch Ausweisung aus politischen Gründen 
zeitweilig unterbrochen, volle zehn Jahre fortgeführt wurde. In 
dieser Zeit bestand er noch das Physikatsexamen (1852) und 
gründete 1854 durch Verehelichung mit Fräulein Marie Rüppell 
seinen häuslichen Herd. Auf die Dauer genügte ihm die vor 
wiegend ländliche Praxis nicht. Das Bedürfnis nach eigener An- 
regung und nach deutscher Erziehung der Kinder, die in. dem 
danisierten Schleswig nicht möglich war, veranlaßten ihn 1861 
nach Kiel überzusiedeln. Hier begann er wieder ärztliche Praxis. 
Zugleich habilitierte er sich an der Universität (das Doktordiplom 
genügte damals dazu) und las, in entstandene Lücken einspringend, 
anfänglich pathologische, dann chirurgische Anatomie, bald auch 
gerichtliche Medizin. 
Nun kamen die politischen Wandlungen der 60er Jahre; nach 
Beseitigung der Dänenherrschaft durch Preußen und Österreich 
übernahm 1865 der österreichische Feldmarschalleutnant Gablenz 
das Regiment in Holstein. Dieser ernannte im September 1865 
Bockendahl zum Medizinalinspektor für Holstein. Seine Befähigung 
für eine solche Verwaltungstätigkeit hatte Bockendahl u. a. kmz 
vorher durch eine Untersuchung kund getan, welche er im Aufträge 
der Regierung zusammen mit dem Schleswiger IrrenanstaltsdireKtor ^ 
Büppell über die Verwaltung des dänischen Medizinalinspektors 
Bchleißner in Schleswig anzustellen gehabt hatte. 
Als 1866 Preußen in der Person des Oberpräsidenten 
V- Scheel-Plessen die Regierung antrat, wurde Bockendahl als 
Preußischer Beamter übernommen und bald nachher als außeroident- 
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