Full text: (1899/1900)

erforderlichen hastigen Ausbau seiner 1884 von Neumühlen nach 
Forsteck verlegten Sommerwohnung waren Anstrengungen verknüpft, 
die wiederholte heftige Krankheitsanfälle verursachten. Das Los- 
reissen von seiner Bibliothek, seinen Sammlungen und Instrumenten 
zusammen mit der Unmöglichkeit, experimentelle Vorlesungen zu 
halten, lastete schwer auf ihm. Und wenn er auch äusserlich die 
Ruhe des Philosophen zeigte, so fühlte er doch selbst, dass seine 
Schaffenskraft verringert sei. 
Aber so klar blieb sein Urteil, dass er erkannte, wie es nun 
seine Pflicht sei, die verringerten Kräfte ganz auf das grosse und 
seiner Lieblingsneigung entsprechende geschichtliche Werk kon 
zentrieren zu müssen. Er legte deshalb 1895 die Geschäftsführung 
der Meereskommission, 1898 das Aichungsinspektorat nieder und 
zog sich auch von seiner Loge zurück, deren Meister er lange ge 
wesen. Er behielt nur noch die kleineren Verwaltungen der 
Christiani’schen Stiftung und des X. Adjunktenkreises der Leopoldina, 
für welches letztere Amt er übrigens noch besonders thätig war. 
Noch 1897 plante er eine Reise nach München, um auf der dortigen 
Bibliothek weitere Studien über die mittelalterliche Physik zu 
Aachen. Erneute Krankheitsanfälle kamen, die Reise wurde ver 
schoben und erst im Sommer 1899 entschloss er sich schweren 
Herzens, der Münchener Akademie den Auftrag zurückzugeben, 
dessen Vollendung ihm unmöglich gemacht war. 
So hat Gustav Karsten die vielseitigen Akten seines Lebens 
selbst geordnet und abgeschlossen, er hat die 50 jährigen Jubiläen 
W Amt und Familie feiern können und hat die Auszeichnungen 
Königlicher Gnade dankend in Empfang genommen. 
Wie er stets pünktlich in seinen Geschäften war und zu jeder 
Reise seinen Koffer rechtzeitig gepackt hatte, so hatte er sich auch 
rechtzeitig auf die letzte grosse Reise gerichtet. Er hat sie mit 
e inem durch Wissen und Erfahrung abgeklärten Glauben an Gott 
angetreten. 
Die aber von seinen Freunden zurückblieben, werden voll 
Hank, dass er der Ihre war, ihm ein treues Gedächtnis bewahren!
	        
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