Full text: Chronik der Universität Kiel für das Jahr 1899/1900 (1899/1900)

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Wenzeslaus Johann Gustav Karsten, Professor der Mathematik in 
Rostock, Bützow und Halle, dessen Sohn, der Staats- und Bergrat 
Dietrich Ludwig Gustav Karsten, des ersteren Bruder, der National 
ökonom Franz Christian Lorenz Karsten in Rostock, der Grossvater 
unseres Karsten und der ältere Bruder Hermann Karsten, der als 
Mathematiker, Physiker und Mineralog in Rostock bis 1877 lebte. 
Auch mütterlicherseits waren durch den Grossvater Rosenstiel, den 
Direktor der Königlichen Porzellanfabrik, mannigfache Beziehungen 
gegeben, welche das väterliche, in der Mauerstrasse 36 gelegene 
und von Varnhagen von Ense mitbewohnte Haus zu einem Sammel 
punkt bedeutender Männer, zu einer Pflanzstätte vornehmer Bildung 
und Gesittung machten und nachhaltig auf die geistige Ent 
wickelung des jungen Karsten einwirkten. Nicht minder einflussreich 
gestaltete sich der Unterricht im Friedrich Wilhelm-Gymnasium, 
an welchem neben dem Direktor Spiileke hervorragende pädagogische 
Kräfte, wie der Mathematiker Yxem, die Lehrer Siebenhaar und 
Salomon wirkten. In den oberen Klassen kam der mathematische 
und physikalische Unterricht Fr. W. Dove’s dazu, der durch seine 
unvergleichliche Anregung nicht blos entscheidend für die Wahl 
des Studiums wurde, sondern auch die Grundlage für spätere 
meteorologische Arbeiten legte. Während der Schulzeit wurden 
häufige Excursionen unternommen, deren Ergebnis ein ziemlich 
vollständiges Herbarium der Mark war. Kenntnis der Mineralien 
zu erlangen, welche gleichfalls eifrig gesammelt wurden, war viel 
fach Gelegenheit gegeben, indem teils dem Vater zahlreiche 
Sendungen zugingen, teils durch den befreundeten Professor Samuel 
Weiss die grossen Sammlungen der Universität leicht zugänglich 
gemacht waren. So lernte Karsten schon auf der Schule fast 
spielend die Mineralien kennen. 
Auch die mit den Eltern während der Schulferien unter 
nommenen Reisen gaben mancherlei naturwissenschaftliche Anregung 
und Belehrung. So waren es besonders die nach Rostock und 
Warnemünde gerichteten Sommerausflüge, auf denen teils mit dem 
älteren Bruder Hermann, dem Professor für Astronomie, Mathematik, 
Physik und Mineralogie in Rostock, teils mit dessen Kollegen, dem 
Botaniker Joh. Röper, mineralogische und botanische Studien ge 
trieben wurden. 
Als Karsten mit 19 Jahren die Universität bezog, stand der 
Entschluss, Naturwissenschaft und Mathematik zu studieren, fest. 
Auf Anraten seines Vaters hörte er jedoch keineswegs ausschliess-
	        

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