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Neubau begonnen, der 1878 völlig in Gebrauch genommen werden
konnte. Es wurde jedoch wiederum nur eine so kleine Summe
w 'lligt, dass als eine dauernde Abhilfe dieser Neubau nicht angesehen
werden konnte. Aber der peremptorischen Erklärung von mass
gebender Stelle gegenüber „Kiel wird nie mehr als 200 Studenten
haben“, war es nicht gestattet, die wenn auch ungenügende Abhilfe
abzulehnen, umsomehr da der damalige Herr Kurator Vorstellungen
gegenüber eine Erhöhung der Bausumme für absolut ausgeschlossen
erklärte.
Schon im Sommersemester des Jahres 1878, in welchem das
Institut völlig dem Gebrauche übergeben wurde, musste der Hörsaal,
welcher nach den für Schulen geltenden Vorschriften nur für
2 4 Schüler Raum bot, 36 erwachsene Zuhörer aufnehmen. Es handelte
s ich dabei aber um den Demonstrationskurs, in welchem zahlreiche
Pathologisch-anatomische Präparate vorgelegt werden. Entsprechend
d er wachsenden Zahl der Medicin-Studirenden, welche durch verschiedene
Gründe, besonders aber das sehr grosse Unterrichtsmaterial angezogen
werden, wuchs diese Überfüllung in den nächsten Jahren; im Sommer
i88 5 besuchten den Kurs 50 (14 wurden ausserdem zurückgewiesen)
Winter 1885/6: 51 Zuhörer — Sommer 1886: 77 — Winter 1887/8.
66 — Sommer 1887: 102 — Winter 1887/8: 63.
Vom Sommer 1886 an mussten deshalb sowohl der Demon
strations- wie mikroskopische Kurs in 2 Parallelkursen abgehalten
werden, was einmal nicht blos die Kräfte eines einzelnen über das
erträgliche Mass in Anspruch nimmt, besonders aber bei der Art des
Materiales von weit geringerem Nutzen ist, als e i n Kurs.
Die Zahl der Medicin-Studirenden war von 55 * m Sommer 1873
au f 263 im Sommer 1886 gestiegen.
So war es denn keine Überstürzung, wenn endlich im Jahre 1887
de r Anbau eines neuen Hörsaales bewilligt und ausgeführt wurde.
Auch diesmal wurden nur die knappsten Mittel bewilligt, sodass es
nöti g war den Anbau so zu gestalten, dass er für die Vorlesungen
Un d Übungen geeignet war, für welche in anderen Instituten 3 4 Räume
vorhanden zu sein pflegen, nämlich
1. für die klinischen Sektionen, bei denen die Zuhörer der
Kliniken Zusehen sollen ;
2. für den pathologisch-anatomischen Demonstrationskurs,
3- lür den pathologisch-histologischen Kurs ;
4- für die Vorlesungen. . ,
Wie diese zum Teil sich widersprechenden Aufgaben in
heute noch im Ganzen befriedigender Weise gelöst wuiden, ist
Chronik für 1887—88 S. 22 dargelegt. Selbstverständlich können