Full text: Chronik der Universität Kiel für das Jahr 1891/92 (1891/92)

An den praktischen Uebungen für Physiker betheiligten sich nur 
vier Praktikanten, was sich aus der Abnahme der Studirenden der 
Physik und Mathematik ergiebt. Ueberdies sind zwei dieser Praktikanten, 
nachdem dieselben im Institute grössere demnächst zu veröffentlichende 
Arbeiten beendet haben zur Technik übergegangen. 
Dagegen war das Praktikum für Mediziner sehr besucht; es 
betheiligten sich an demselben 15 bezw. 41 Studirende. 
Dr. G. Karsten. 
32. Die Sternwarte. 
Das transportable Passageninstrument von A. Repsold & Söhne 
in Hamburg, ist im Frühjahr 1891 abgeliefert und im Westthurm der 
Sternwarte aufgestellt worden; zu einer dauernden Anwendung ist eS 
noch nicht gekommen, da es sich inzwischen doch als wünschenswerth 
herausgestellt hat, den Pfeiler noch etwas mehr zu erhöhen, um die 
Sterne bis in die Nähe des Horizonts beobachten zu können. 
Von Neuanschaffungen wäre besonders zu erwähnen ein Keil' 
photometer, welches nach unseren Angaben von Herrn Steger jr. > n 
Kiel angefertigt worden ist; die Glaskeile hat C. A. Steinheil in München 
dazu geliefert. Dieser Apparat ist zunächst für den Steinheil’schen 
Refraktor angepasst; um indessen Kollisionen mit den laufenden 
Beobachtungen an diesem Fernrohr zu vermeiden, werden an dem 
Repold’schen Aequatoreal, welches ein noch sehr gutes Objektiv von 
Fraunhofer hat, Einrichtungen getroffen, um verschiedene Nebenapparate 
des Steinheil sehen Refraktors auch am Aequatoreal anbringen zu können- 
Leider ist der Steinheil’sche Refraktor lange nicht mehr für unsere 
Bedürfnisse ausreichend. Dieses Instrument ist von vornherein in der 
Konstruktion und der Ausführung der mechanischen Theile verfehlt 
gewesen; dazu kommt noch eine progressive Verschlechterung des 
Objektivs, die demselben mehr und mehr an Lichtstärke raubt. Wir 
können mit diesem Fernrohr nicht mehr ausreichend die Entdeckungen 
der Kometen und Planeten verfolgen, obgleich uns gerade hieran beson 
ders gelegen ist, weil unsere Sternwarte als Sitz der Centralstelle für 
Astronomische Telegramme und der Astronomischen Nachrichten speziell 
die Aufgabe hat, Entdeckungen jeder Art durch eigene Beobachtungen 
zu prüfen. 
Die Räumlichkeiten der Sternwarte erweisen sich ebenfalls seit 
längerer Zeit als ganz unzureichend; es ist Hoffnung vorhanden, dass 
diesem Mangel abgeholfen werden wird. 
Die gewöhnlichen Beobachtungen am Refraktor wurden länget 
Zeit durch spektroskopische Revisionen einer gewissen Klasse von
	        

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