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Von grosser Bedeutung waren die Untersuchungen, welche in
Kriminalfällen von den Gerichten Himly übertragen wurden und deren
Resultate nicht selten ganz allein eine Entscheidung möglich gemacht
haben. Er beobachtete bei diesen Arbeiten die grösste Sorgfalt und
Vorsicht in der Ausscheidung von Giften und eine seltene Umsicht, ja
man möchte sagen Schlauheit in der Berücksichtigung aller Nebenum
stände und der Deutung der gefundenen Thatsachen. Es mag hier
beispielsweise ein sehr hervorragender Fall ins Gedächtniss gerufen
werden. Als im Jahre 1857. i n Neumünster eine grosse Vergiftung von
Mehl stattgefunden hatte, zu deren Aufklärung eine eigene obergericht
liche Untersuchungskommission dorthin gesandt war, wurde der ver-
muthete Thäter lange vergeblich inquirirt, bis Himly auf Grund seiner
chemischen und mikroskopischen Befunde ihm sagte, er habe den in
einer Papiertüte befindlichen Arsenik in seiner Tasche in den Laden
getragen, mit der rechten Hand in die Mehlkista geschüttet, das Mehl
umgerührt und die Hand an der Hose abgewischt. Verblüfft durch
diese dem Hergange genau entsprechende Aussage des Sachkundigen
gestand der Verbrecher seine That.
Gegenüber seinen praktischen Beschäftigungen trat die L e h r-
thätigkeit Himly’s zurück, obwol sein Vortrag klar und anregend
war, und eine Fülle eigner Erfahrungen seine Vorlesungen, die er
oft durch sarkastische Witze würzte, den Zuhörern anziehend machte.
In den praktischen Uebungen befasste er sich zumeist mit den begab
teren Schülern. So erklärt es sich auch, dass seine literarische
Thätigkeit, welche sich in Zeitschriften — u. A. in der „Chronik“
unserer Universität, Jahrgang 1873 und 1876 — zerstreut findet, vor
wiegend seine Untersuchungen und Erfindungen behandelt. Zu Lehr
zwecken hat er in grösserem Umfange nichts geschrieben.
Der vorstehende Beitrag zu einer Würdigung der vieljährigen
Thätigkeit des Verstorbenen an unserer Universität ist hervorgegangen
aus den freundlichst gewährten sachkundigen Mittheilungen zweier
Männer, die zu verschiedenen Zeiten als Assistenten Himly’s Gelegen
heit gehabt haben, sein Wissen, Können und Wirken aus eigener An
schauung und in eigner Mitarbeit kennen zu lernen. Es sind dies
die Herren Dr. phil. Chr. Gänge, Docent der Chemie an der Uni
versität Jena, und Apotheker Josef Schedel, zur Zeit in Kiel.
Friedrich Volbehr.

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