Full text: Chronik der Universität Kiel (1883)

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Die Höhenpunkte sind: das erste Jahrzehnt 1665/75 : 874 Imma 
trikulationen, das dreizehnte Jahrzehnt 1785/95: 725 Immatrikulationen, 
das siebenzehnte Jahrzehnt 1825/35: 1110 Immatrikulationen, das 
zweiundzwanzigste Jahrzehnt, schon während der 17 Semester von 
1875/76 bis 1883/84: 1394, was nach dem Durchschnitt auf 20 Semester 
berechnet: 1640 ergiebt. 
Sinken und Steigen der Studentenzahl sind stets durch aussen- 
liegende Verhältnisse veranlasst worden. Die unter günstigen Auspicien 
eröffnete Universität hatte schon bald unter den fortgesetzten Zwistig 
keiten der beiden schleswig-holsteinischen Landesherren, des Königs 
von Dänemark und des holstein-gottorpischen Herzogs, zu leiden. 
Besonders trat dies nach dem Jahr 1700 hervor, und wenn auch die 
Zeiten des grössten Verfalls sich nicht auf die Kriegsjahre beschränkten, 
sondern auch auf die Friedensjahre nach 1721 ausdehnten, so hatten 
eben letztre die Folgen der ersteren zu tragen; dem kleinen Ländchen, 
welches dem gottorper Herzog geblieben war, fehlte die Kraft, die 
Verhältnisse zu bessern. Die Zahl der Professoren war geringer ge 
worden, die Universitätsbaulichkeiten waren verfallen, die Einkünfte 
geschmälert, die Zahl der Freitische (des Konvikts) wegen der aus 
bleibenden Zahlungen aus dem kontribuirenden Landschaften ver 
mindert. Das bewirkte einen Abgang der einheimischen Studirenden, 
während die fremden durch die hiesigen Geldverhältnisse ferngehalten 
wurden, da ihnen der Geldkurs 10 Procent Verlust für auswärtige 
Münze brachte. Besser wurde es erst, als sich die Kaiserin Katharina 
von Russland, in Vormundschaft ihres Sohnes Paul, des letzten holstein- 
gottorpischen Herzogs, der Universität annahm und dieselbe in jeder 
Hinsicht zu heben suchte. Der 1773 erfolgte Austausch des herzog 
lichen Gebiets an den König von Dänemark wirkte gleichfalls günstig, 
und erst die grossen politischen Ereignisse zu Ende des achtzehnten 
und im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wurden wieder nach 
theilig für unsre Landesuniversität. Dann folgte in den 20er und 30er 
Jahren ein über den Bedarf der Herzogthümer hinausgehender An 
drang Einheimischer zum Universitätsstudium; der Rückgang in den 
40er Jahren war nur eine natürliche Folge der eingetretenen Ueber- 
fülle, namentlich an theologischen und juristischen Kandidaten. Der 
Krieg von 1848-50 und die folgende Reaktionszeit bis 1863, die schwer 
auf dem Herzogthum Schleswig lastete, waren darauf ■ der Universität 
wenig günstig; ebenso blieben auch die bedeutungsvollen Ereignisse 
von 1866 und 1870 nicht ohne Einfluss. Das letzte, noch unbe- 
endete, Jahrzehnt seit 1875 brachte dann den glänzendsten Aufschwung, 
den die Geschichte der Christian-Albrechts-Universität zu verzeichnen
	        

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