Full text: (Band XXVIII.)

für viele Krankheiten sind als Ursache feinste Organismen nachgewiesen; für andere 
steht solcher Nachweis noch aus; nicht die Krankheiten sind es darnach, sondern die 
Krankheitsursachen, welche sich fortpflanzen; für die als erblich geltenden Krank 
heiten ist damit eine tröstliche Aussicht eröffnet. Auf Grund solcher Erkenntnis er 
blüht eine wirksame Hygiene, wenn auch das Ideal solcher Bestrebungen — die 
Krankheiten ganz zu verhüten, unerreichbar ist. 
Sehen wir so in den letzten Jahrzehnten eine Umwälzung der medicinischen 
Anschauungen nicht nur, sondern auch daraus hervorgehend eine Steigerung der ärzt 
lichen Leistungen am Krankenbette, wie nie in den Jahrtausenden vorher, so sind 
doch gerade mit solchen Fortschritten wider die Aufgaben gewachsen; jede Lösung 
eines Problems eröffnet neue Aufgaben, deren Lösung wider als unerlässliche Forderung 
entgegentritt. 
So haben wir nicht zu fürchten, wie Alexander der Grosse über die Erfolge 
seines Vaters — über die glänzenden Leistungen der Gegenwart weinen zu müssen, 
als bliebe uns nichts mehr zu tun übrig. Im Gegenteil, gewaltige Aufgaben stehen 
noch vor uns, an deren Lösung auch die kommenden Geschlechter noch zu schaffen 
haben werden, vor neue Aufgaben werden sie sich gestellt sehen, die uns noch nicht 
sichtbar sind; dies gilt nicht nur für die biologischen Wissenschaften, es gilt mehr 
oder weniger für alle Wissenschaften. 
Auch den künftigen Aufgaben werden die Hochschulen unter dem Banner der 
akademischen Freiheit gerecht werden. Diese umfasst Preiheit des Lehrens und 
Lernens, Freiheit der Forschung, nicht aber Willkür, Zucht- und Gesetzlosigkeit. 
Dies Banner ist hochzuhalten von Lehrern und Lernenden. 
Ein stark banausischer Zug geht durch unsere Zeit; das übermässige Streben 
nach mühelosem Erwerb, die wahnwitzige Jagd nach Reichtum führt öfter, als je 
früher, bedenkliche Krisen im Leben der Völker herbei. Da dürfen die Hochschulen 
nicht vergessen, auch heute die Pflegestätten idealeren Strebens zu sein. Den meisten 
Studirenden ist hier allein die Teilnahme an Forschungen ermöglicht, welche nicht 
unmittelbar praktischen Nutzen ins Auge fassen. »Forschet nach der Wahrheit und 
fraget nicht was sie nützt«, war der Wahlspruch des hochverdienten Lehrers und 
Arztes, Bartels, dessen Büste als leuchtendes Vorbild hier unseren Festraum ziert. 
Dieses Wort soll Richtschnur alles wissenschaftlichen Forschens und Lernens sein. 
Wer hätte aus dem Spiel der zuckenden Froschmuskeln Galvanis die
	        
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