Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1880/81 (Band XXVII.)

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schwer empfunden werden dürfte. Der Mikroskopirsaal bietet bequemen Platz nur für 12 Arbeiter, 
eine Zahl welche durch die Anmeldungen bereits überschritten worden ist, und der Sammlungssaal 
fasst, bei übersichtlicher Aufstellung, nicht viel mehr als die schon jetzt vorhandene Sammlung. 
Diesen Uebelstand, der sich schon nach dem Bauplan voraussehen Hess, hat der Unterzeichnete 
nicht mehr abzuwenden vermocht, weil er dahin verständigt wurde, dass mit grösseren Mehrkosten 
verbundene Aenderungen des Planes den Bau auf unberechenbare Frist verzögern würden, und weil 
er sich der Verantwortung solcher Verzögerung nicht aussetzen zu dürfen glaubte. Er hat jedoch, 
um eine künftige Aushülfe anzubahnen, veranlasst, dass die Construction des Bodengeschosses in 
einer Weise ausgeführt wurde, welche die Anbringung eines partiellen zweiten Stockwerkes ohne 
grosse Kosten bequem gestatten wird. 
Die Luftheizung hat sich nach der Erfahrung des letzten Winters in so fern gut bewährt 
als die Durchwärmung der Räume, ausser an besonders kalten Tagen, nichts zu wünschen Hess, und die 
Ventilation eine vortreffliche war. Als ein Uebelstand dieser Einrichtung ist jedoch die grosse 
Trockenheit der ventilirenden Luft zu bezeichnen, welche es veranlasst hat, dass das neubeschaffte 
Mobiliar grossentheils bedeutende Risse erhalten und desshalb schon der Reparatur bedurft hat. 
Ein weiterer Uebelstand Hegt in der Kostspieligkeit der Luftheizung, welche, wie sich schon jetzt 
überblicken lässt, auch bei grösster Oekonomie im Vergleich mit Ofenheizung sich als sehr be 
deutend ergiebt. — 
Ueber einige andere Einrichtungen des neuen Institutes werden, bis zu endgültigem Urtheil 
und Bericht, noch längere Erfahrungen zu sammeln sein. 
An den anatomischen Präparirübungen betheiligten sich im Winter 1880/81 38, an den 
anatomischen Vorlesungen 25 Studirende, im laufenden Semester sind bisher zu den letzteren 19 
angemeldet. An dem mikroskopischen Practicum für Geübtere nahmen im Sommer 1880 11 Stu 
dirende Theil. Es hat also gegen die vorigen Jahre eine erhebliche Steigerung der Frequenz des 
anatomischen Unterrichts stattgefunden, gewiss grösstentheils bedingt durch die verbesserten Arbeits 
und Lehrmittel, welche das neue Institut bietet. Für diese Hebung, wie für die Schöpfung einer 
den heutigen Anforderungen entsprechenden Stätte anatomischer Forschung, schuldet somit die 
Universität der Munificenz des Staates den vollsten Dank. FLEMMING. 
1 
7. Physiologisches Institut. 
In dem vergangenen Jahre sind mit den Mitteln des Institutes Arbeiten von Dr. 
A. BOCKENDAHL, von dem Assistenten Herrn H. A. Landwehr sowie von dem Unterzeichneten 
ausgeführt und publicirt worden. 
Das Laboratorium war in dem vergangenen Winter nur von wenigen Studirenden benutzt. 
Neben den gewöhnlichen Vorlesungen wurde ein Publicum über die Physiologie der Sprache 
vor einem grösseren Zuhörerkreise gelesen. 
Die volle Ausnutzung des Instituts erfordert noch fortwährend eine Reihe von Specialein 
richtungen, so dass grössere Anschaffungen für den physiologischen Apparat nicht stattfinden konnten. 
Hensen.
	        

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