Full text: (Band XXVI.)

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stand, auf den sich Athene berief, als den Beweis ihres Anrechts auf das Land, end 
lich der unter dem Olivenbaum stehende Altar des Zeus Herkeios; 3) das Kekro- 
pion und die darangrenzende Koren- oder Karyatidenhalle. 
Es ist schon aus dieser Aufzählung ausser Zweifel gestellt, dass ausser der 
Architektur auch die mit der Philologie eng verbundene Archäologie und vorzugsweise 
die Hellenische Theologie diesen Tempel in Anspruch nimmt. Freilich sind alle Be 
ziehungen des merkwürdigen Baus nur dann in ihrer ganzen Bedeutung erkennbar, 
wenn man sie mit Einem Blick übersieht. Da dieses nicht möglich ist, ehe man sie 
im Einzelnen betrachtet hat, so ergiebt sich für die Darstellung die Noth Wendigkeit 
der Theilung nach den verschiedenen Gesichtspunkten. Natürlich muss diese Theilung 
in der Weise geschehen, dass von dem in der historischen Entwickelung muthmasslich 
früheren der Anfang gemacht werde. Demgemäss ist es zweckmässig, zuerst das 
Dogma der Athenischen Religion nach den uns erhaltenen Quellen so viel als mög 
lich in der correcten Fassung des Alterthums vorzutragen, dann dieses Dogma nach 
seiner Grundbedeutung zu erklären, dann zu untersuchen, inwiefern dasselbe in dem 
Cultus seinen Ausdruck gefunden theils in der baulichen Einrichtung des Hei 
ligthums theils in den religiösen Handlungen, die mit jener in Beziehung stehen. 
Das religiöse Dogma 
lautete wie folgt: Zeus der Gott des Himmels vermälte sich mit der Metis, der Tochter 
des Okeanos. Da diese ihm sagte, sie werde nach der bevorstehenden Geburt einer 
Tochter einen Sohn gebähren, welcher Herr des Himmels werden würde, verschlang 
Zeus die Metis aus Furcht. Als nun die Zeit der Geburt (der Tochter) gekommen 
war, versetzte Hephaistos mit einem Beil einen Schlag auf das Haupt des Zeus und 
hervor fuhr gerüstet mit Waffen und Aegis Pallas Athene. Anfangs bewegte sie wild 
Speer und Schild durch die Luft; dann aber legte sie die Waffen ab und erschien 
als schöne Jungfrau, als Glaukopis. Hephaistos, von der Glaukopis verschmäht, vermälte 
sich der Ge oder der Atthis, der Attischen Erde, welche den Erichthonios gebar. Diesen 
nahm Athene aus den Händen der Ge an Kindes statt auf und übergab ihn mit einem 
Schleier verdeckt der Pandrosos und ihren Schwestern Herse und Aglauros, den 
Töchtern des Königs Kekrops, mit dem Befehl, den Schleier nicht zu lüften. Die 
letzten beiden waren ungehorsam und nun wurde Erichthonios offenbar, er selbst als 
Schlange oder nach anderer Sage neben ihm eine Schlange. Die beiden Kekrops-
	        
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