Full text: (Band XXVI.)

Verum est index sui et falsi. 
Immer wieder erneuern sich die Versuche, den merkwürdigen 1 empelbau, der 
unter dem Namen des Erechtheions bekannt ist, nach der Anordnung seiner Theile in 
Uebereinstimmung mit den Resten des Baus und den Nachlichten über denselben im 
Bilde wiederherzustellen, oder wenigstens dessen überlieferte Eigenthümlichkeiten mit 
den vorhandenen Resten in Einklang zu bringen. Fast alle diese Versuche beschran 
ken sich auf die Architektur des Baus und die Topographie seiner Theile, ohne auf 
den religiösen Character des Tempels und die dadurch bedingte Bedeutung der Räume, 
auf die in denselben befindlichen mit der Religion Athens eng zusammenhängenden 
Gegenstände und auf die Beziehung dieser zu einander die geringste Rücksicht zu 
nehmen. Und doch ist es wohl von selbst einleuchtend, dass derjenige, welcher das 
Verständniss der Religion der Athener und der Mydien und Sagen, in denen sie über 
liefert ist, als nicht zu ergründen, oder als von ihm nicht zu ergründen, gleichgültig 
von sich weist, vergeblich sich bemühen wird, jenen scheinbar so verwickelten, an 
geistigen Beziehungen so reichen Bau zu erklären. Die Folge einer so auf 
blosse Aeusserlichkeiten beschränkten Auffassung ist denn auch nothwendig eine auf 
halbem Verstehen oder Missverstehen beruhende Willkür, welche bald die einzelnen 
Räume des Baus verschiebt und aus ihrem Zusammenhang mit den übrigen löst, bald 
sogar diejenigen Räume mit ihrem Inhalt, welche notorisch innerhalb des Tempels 
waren, ausserhalb desselben verlegt. 
Die Räume und die darin enthaltenen Gegenstände des ganzen Baus, worüber 
die Erklärung desselben Rechenschaft geben muss, sind folgende : i) das Erechtheion 
mit den Altären des Pos e id on -Er ech theus, des Hephaistos, des Butes, 
des Opfer gie ssers und mit dem Brunnen,, worin Wasser vom Meere, wodurch 
Poseidon sein Anrecht auf Attika bewies; 2) der Tempel der Athene 
Polias mit dem Bild der Göttin, dem von Myrten umgebenen Bild des Hermes 
und dem unmittelbar daranstossenden Pandroseion, worin der Oliv enbaum 
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