Volltext: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1879/80 (Band XXVI.)

zu Jason. In der Seele dieses Barbaren-Mädchens sollte die Ankunft Griechischer 
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Helden eine Ahnung all der herrlichen Ideale erwecken, deren Inbegriff der Hellenische 
Name geworden ist. Apollonius hat diese Vorgänge tief in Poesie eingetaucht uns 
vorgeführt. 
Medea, die Tochter des Aeetes, das Kolchische Mädchen, war bis dahin still 
und lieblich, wie die Blumen und Kräuter, deren zärtliche Freundin sie ist, emporge 
blüht. Es war ein freudloses Dasein gewesen an dem glänzenden und goldstrahlenden 
Hofe ihres Vaters. Denn Aeetes ist ein finstrer Despot, sein Herz ist starr 
und kalt wie die Felsen des Kaukasus, seine Worte rauh wie die Wogen des 
brausenden Meeres. Da erscheinen die sonnigen Gestalten der Hellenischen Helden, 
an ihrer Spitze Jason. Medea erblickt ihn, an dem jeder Zoll ein König ist, und über 
dessen Lippen doch nie ein herrisches Wort geht; ihn, dessen Blicke und Antlitz die 
heiterste Lebensfreude athmen, und der doch ruhig in Kämpfen und Gefahren dem 
Tod ins Auge schaut. Ja —, da fiel es Medea wie Schuppen von den Augen! Da 
traf mit tiefer Wunde ihr Herz der Pfeil des Eros. Wie zu einem Gotte blickt sie 
zu dem Fremdling empor, und all die zahllosen Zauberkünste und Zaubertränke, 
deren sie als Hekate-Priesterin im Kolcher-Land so kundig ist, sie alle, alle vermögen 
Nichts gegen diesen einen Zauber, der in dem Auge dieses Jünglings liegt. Diese 
Liebe ist das Schicksal der Medea geworden. Sie rettet durch ihre Künste den 
Fremdling vom Tode, sie übergiebt ihm das goldne Vliess; dann folgt sie ihm willen 
los hingegeben in die Griechische Heimath. Aber ein tiefer dunkler Schatten lieot 
über ihren ferneren Geschicken. Jason obschon voll Dankbarkeit, kann doch nie in 
ihr die mit unheimlichen Künsten vertraute Zauberin vergessen; das Herz kann ihm 
nicht warm werden in ihrer Nähe. Da endlich erwacht in der Seele der Enttäuschten 
und Vielgeprüften die Erinnerung an das Elternhaus und zugleich brechen die furcht 
baren Dämonen der Rache und des Hasses hervor. Sie mordet mit dem Schwert in der 
Hand die beiden Kinder, die sie Jason geschenkt hat. Das Alterthum erzählt uns 
von einem herzerschütternden Gemälde des Malers Timomachos, eines Zeitgenossen 
Caesars, in welchem dieser Kampf des Hasses und der Mutterliebe tief ergreifend 
dargestellt war. 
Apollonios in seinen Argonautica hat jene erste keimende Neigung in Medeas 
Seele und die Heimfahrt des Schiffs Argo nach Jolkos unendlich zart und mit allem 
Schmuck romantischer Phantasie geschildert. So ruht auf diesem Gedicht des Apollonios 
der Hauch und schimmernde Abglanz jener goldenen Zeit der Ptolemäer - Herrschaft,
	        

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