Full text: (Band XXIV.)

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Doch sind in der Literatur 2 Fälle bekannt, wo die anfangs ganz getrübte Linse wieder 
sich vollständig authellte bis auf eine kleine Stelle, wo der Fremdkörper sass und wo fast volle 
Sehschärfe wieder eintrat. Siehe Desmarres, Traite etc. Edit. 2. I III pag. 22. u. Pagenstecher: 
Mittheilungen aus Wiesbaden II pag. 122. 
War aber der die Linse verletzende Körper grösser oder klaffte der Kapselriss in Form 
einer Ellipse auseinander oder war er grösser als der Körper, so sind die daraus resultirenden 
Consequenzen Aufquellen der Linse wegen Zutritt des Kammerwassers zu derselben, eine mittelst 
schräger Beleuchtung zu sehende »Krystallflocke« ragt in die vordere Kammer hinein und 
Trübung der Linse erfolgt in wenigen Tagen. 
Drang der Fremdkörper durch die Iris ein, so sollte man erwarten, dass jedesmal eine 
Blutung in die vordere Kammer sich ergösse. Dem ist jedoch nicht so. Woher aber erklärt sich 
dasselbe? Ich glaube, dass, wie bei grossen Quetschwunden wegen Zusammenfaltung und Ueber- 
einanderlagerung der Intima das Blut aus den Gcfässen nicht austreten, auch hier wegen Quet 
schung der Irisgefässe Blut in die vordere Kammer nicht fliessen kann. 
Häufig jedoch erfolgt wirklich eine Blutung in die vordere Kammer und erst nach Resorption 
derselben erkennt man das Loch in der Iris, dessen nächste Umgebung alsdann in Folge einer 
circumskripten Iritis mit den hinter ihm gelegenen Partieen gewöhnlich verwachsen ist. Hat der 
Fremdkörper die Iris durchschlagen und ist er in die Linse eingetreten, so steht natürlich auch 
hier eine Cataract in Aussicht. Doch lässt auch in diesen Fällen die Trübung der Linse manchmal 
lange Zeit auf sich warten und es frägt sich, welcher Grund hierfür angegeben werden kann, 
Das die Linse vor Trübung schützende Moment liegt in diesen Fällen nach meiner Meinung in 
dem Umstande, dass der Fremdkörper, nachdem er die Cornea durchschlagen, so viel an Ge 
schwindigkeit verloren hat, dass er nicht mehr fähig is, die Iris zu durchbohren, sondern statt 
dessen nur noch so viel Gewalt besitzt, die Iris wie einen Handschuhfinger in die Linse einzustülpen, 
welche Einstülpung dann gleichfalls wie der Fremdkörper als Tampon wirkt und die Linsenwunde 
wasserdicht vor dem Kammwasser abschliesst. 
Zuweilen kommt es vor, dass der fremde Körper, wenn er durch die Pupille oder auch 
durch die Iris eindrang, durch die Linse noch in den Glaskörper gelangt, ja diesen noch mit einer 
solchen Schnelligkeit durcheilt, dass er sich nicht senkt, sondern in der ihm eigenthümlichen Rich 
tung weitergeht und an dem entgegengesetzen Ende die Netzhaut oder bei Durchschlagen dieser 
die Aderhaut verletzt. Am seltensten jedoch werden wohl Ricochettschüsse beobachtet und zwar 
solche, wo Fremdkörper von der Netzhaut abprallen, um sich an einer andern Stelle im Auge 
niederzubetten. In der Literatur sind die beiden bis jetzt bekannten Ricochettschüsse beschrieben, 
der eine im III Bde., Abth 2 pag 341, der andere im XIV Bde., 2. Abth. pag 299, Fall 9 des 
Gräfe’schen Archivs. 
Der andere Weg des Fremdkörpers in das Innere des Auges geht durch die Sclera. Hier 
findet man in der Umgebung der Wunde eine Ecchymose. zuweilen eine Zerreissung des subcon- 
junctivalcn Bindegewebes mit stärkerer Blutung. Nimmt der Körper seinen Weg durch die Sclera, 
so kann die Linse intact sein und zwar dann, wenn der Fremdkörper hinter ihr durch die Sclera 
in das Auge eindrang,
	        
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