an, während Danckclmann den Grundsatz aufstellt, dass die Zufuhr von Waffen und dergleichen
überall unstatthaft sei, die Zufuhr von anderen Waren dagegen an beide Parteien gleichmässig
geschehen müsse.
Heineccius’ Schüler Kessler versucht 1721 eine genaue Spezification der einzelnen als
Kriegscontrebandc zu betrachtenden Waren, unter welche er sogar Taback und Gemüse rechnet.
Dabei gesteht er den Kriegführenden das Recht zu, ein auch nur zum Theil mit Contrebande
beladenes Schiff ganz zu confisziren.
Während alle diese Schriftsteller, gleich dem sich an Grotius anlehnendcn Ziegler, von
dem Rechte der Kriegführenden ausgehen, ihren Feinden zu schaden, geht Bynkershock zuerst von
dem Rechte der Neutralen aus, ungehindert Handel zu treiben. Allein die Resultate, zu denen er
schliesslich gelangt, stimmen trotzdem ziemlich mit denen seiner Vorgänger überein : er beschränkt
nur den Begriff der contrebanden Waren ein wenig, und will die erlaubten Güter mit diesen nur
dann confiszirt wissen, wenn sie demselben Eigenthümer gehören.
Einen gewaltigen Schritt weiter geht Samuel von Cocceji: er erklärt rund heraus :
»Es giebt keine Kriegscontrcbande. Der Neutra e darf einem Kriegführenden selbst Waffen zu
führen, ohne dass dessen Gegner das Recht hätte, ihn daran zu hindern.« Diese Anschauung,
offenbar eine Consequcnz der gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zum Durchbruch gelangenden
Freiheitsideen, fand, zum Theil sehr beredte, Anhänger in v, Martens, Lamprcdi, Azuni, in unserm
Jahrhundert in Nau, Klueber, Hefftcr, welche alle den Kriegführenden höchstens das Recht, die für
ihre Feinde bestimmten Waffen vorwegzukaufen, zugestehen wollen: von den Neutralen verlangen
sie nur Unparteilichkeit gegen beide Parteien.
Im allgemeinen stimmt dieser Ansicht auch Pochls bei, wogegen Vattcl, Wheaton, Oke
Manning, Phillimore und Gcssner die [Confiscation der Kriegsutensilien - als welche sie z. Th. unter
Umständen auch Lebensmittel betrachten - vollkommen gerechtfertigt finden, und einige von ihnen
»unter besonders gravirenden Umständen« sogar auch die Confiscation des Schiffes gestatten wollen.
Huebncr, dem Hautefeuille folgt, 'stellt als Pflichten der Neutralen »inaction entiere« und
»impartiality auf, und, indem er auf die Grotius'sche Einteilung der Waren zurückgreift, erblickt
er in der Zusendung der res, quae in belle tantum usum habent, der »Contrebandewaren ersten
Grades,« eine Verletzung der »inaction,« also eine Theilnahmc am Krieg, wogegen die Zuführung
der res ancipitis usus, der »Contrebandewaren zweiten Grades« völkerrechtswidiig nur ist, wenn
sie ohne »impartiality, also unter Bevorzugung der einen Partei, erfolgt. Die Contrebandewaren
ersten Grades sollen nach Huebner confiszirt, die zweiten Grades nur vorweggekauft werden dürfen.
Bluntschli greift ebenfalls auf die Grotius'sche Einteilung zurück, hält aber die res
ancipitis üsus nur dann für confiszirbar, wenn sie, für Kriegszwecke bestimmt, einer 1 artei in der
Absicht sie zu unterstützen zu geführt werden.
Die den Neutralen ungünstigsten Anschauungen haben in unserm Jahrhundert Kalten
berg und Cussy vertreten, von denen erstcrcr in der Duldung der Ausfuhr von Kriegsutensilien
einen Völkerrechtsbruch seitens des neutralen States erblickt, letzterer in jedem Strafgesetze eine
Bestimmung gegen denjenigen angeführt wissen will, tier einem Kriegführenden Munition und
Waffen zuführt.

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