durch Fortnehmen seines Schiffes zu strafen. Dagegen ist eine Einigung darüber, t>b der neutrale
Stat verpflichtet sei, die Zufuhr von Waffen etc. aus seinem Lande zu hindern, und ev. die
Uebertreter des von ihm in- dieser Hinsicht erlassenen Verbotes zu strafen, weder damals, noch
später erfolgt. Es ist diese Forderung von Kriegführenden oft erhoben, durch Verträge bisweilen
bewilligt, allgemein niemals durchgeführt worden.
Von der Mitte des 17. [ahrhunderts an wurde die Fortnähme'des Schiffes und der nicht
contrebanden Güter vielfach für unstatthaft erklärt, und von derselben Zeit an begann man die
als »Kriegscontrebandc« zu behandelnden Waren im Einzelnen näher zu spezifiziren, und begriff
darunter neben Waffen und Munition alle militärischen Ausrüstungsgegenstände, sowie Pferde und
Schiffsgeräth, wogegen Lebensmittel nur in sehr wenigen Verträgen als Contrebandc bezeichnet
wurden.
Durch den Einfluss Russlands wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Grundsatz
zu allgemeiner Anerkennung gebracht, dass Lebensmittel, Pfeide und Schiffsgcräthe Kriegscontfe-
bande nicht seien, und dass cine Confiscation der verbotene Waren führenden Schiffe und ihrer
anderweitigen Ladung völkerrechtswidrig sei.
Diese Grundsätze wurden aber zur Zeit der napoleonischen Kriege gänzlich ausser Acht
gelassen, und wenn sie auch später durch Verträge von den meisten Statcn als gültig wieder
« *■ r r - v . » —
anerkannt sind, so haben sie eine unbestrittene Geltung doch nicht zu erlangen vermocht; vielmehr,
ist einerseits in einigen Verträgen erklärt, dass die s. g. Kriegscontrebande der Confiscation über
haupt nicht unterliegen solle, und hat andrerseits die zur Zeit bedeutendste Seemacht, England, sich
diesen Grundsätzen bis jetzt noch nicht angeschlossen.
Ist so die Praxis der Staten zur Feststellung allgemein anerkannter und durchgeführter
Normen noch nicht gelangt, so haben auch die Theoretiker eine Einigung unter sich nicht zu
erzielen vermocht.
Der erste völkerrechtliche Schriftsteller, der diese Bezeichnung verdient, Albericus Gcntilis 1 )
ordnet die Interessen der Neutralen gänzlich denen der Kriegführenden unter. Er erklärt die Zu
fuhr von allen im Kriege brauchbaren Gegenständen, sogar von Lebensmitteln, für völkerrechts
widrig, und verlangt, dass der neutrale Stat seine Unterthanen für die gewerbsmässige Zufuhr von
Kriegscontrcbandcwarcn strafen solle, widrigenfalls er selbst für diese »Dclicte« hafte.
Diesen letzteren Grundsatz hält auch Grotius fest; im Uebrigen ist aber seine Ansicht
eine den Neutralen günstigere. Indem er nemlich die im Kriege brauchbaren Sachen in zwei
Abtheilungen ordnet, in solche, die ausschliesslich im Kriege und solche, die auch im Frieden
Verwendung finden, betrachtet er diese letzteren, die res ancipitis usus, als Contrebandc nur, wenn
ihre Zufuhr einem der Kriegführenden einen ganz besondern Vortheil gewähren würde, sowie wenn
das Unrecht der Partei, welche sie erhalten soll, offenbar ist.
Die Unterscheidung von Waren, die nur zum Kriege dienen und res ancipitis usus ist
von den folgenden Schriftstellern nicht beibehalten. Vielmehr schliesst sich von den Theoretikern
aus dem Ende des 17. Jahrhunderts Folckcrs ziemlich genau der Ansicht des Albericus Gentilis
*) Bezüglich der Literaturnachweise zu den in diesem zweiten Theil angeführten Ansichten der einzelnen Schrift
steller mag es gestattet sein, auf die Angaben im ersten Theil dieser Schrift ein für alle Mal zu verweisen.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.