Gessner 19 ) nicht getheilt. Beide vertheidigen das Recht des Kriegführenden, Contrebandewaren,
die auf dem Wege zu seinem Feinde begriffen sind, fortzunehmen. Bluntschli, dessen »modernes
Völkerrecht« zwar weniger die völkerrechtlichen Theorien darlegen, als »die in der Gegenwart
wirksame Rechtsüberzeugung aussprechen« will, aber doch überall die eigenen Ansichten des Ver
fassers klar hervortreten lässt, greift auf die von Grotius aufgestellte Theilung der Waren in drei
Classen zurück. Jn die erste Classe, unter die Waren, welche per se Contrebande sind, rechnet er 20 ):
1) Die Kriegswaffen, Kanonen, Flinten, Säbel, Kugeln, Pulver und ähnliche Kriegswerkzeuge;
2) Salpeter und Schwefel, die zur Pulverfabrication dienen;
3) Kriegsfahrzeuge 21 ).
Jn die zweite Classe gehören nach ihm”): Kleidungsstücke, Geldsummen, Pferde, Schiffs
bauholz, Segeltücher, Eisenplattcn, Dampfmaschinen, Brennkohlen, Privatschiffe u dgl. »Die Zufuhr
dieser Gegenstände ist in der Regel als erlaubt zu betrachten, und darf nur ausnahmsweise als
Kriegscontrebandc behandelt werden, wenn entweder die besonderen Verträge sie als solche
bezeichnen, oder wenn im einzelnen Falle erweisbar ist, dass die Zufuhr einen unmittelbaren Be
zug auf die' Kriegsführung hatte und zugleich die Unterstützung derselben beabsichtigt war«; in
diesem Falle ist sie »unerlaubte Kriegshülfe« , und confiszirbar, weil »Kriegssubsidien in vielen
Fällen stärkender für das Heer wirken, das sie empfangt, als Pulver und Blei«.
Gessner”) geht davon aus, dass die Neutralen an dem Kriege in keiner Weise sich
betheiligen und keinem der Kriegführenden einen besonderen Vortheil verschaffen dürfen. Gleich
Phillimore und Hautefeuille hält er nicht nur den Transport, sondern auch den Verkauf von Con
trebandewaren für völkerrechtswidrig, will aber den Begriff derselben auf möglichst wenige Artikel,
also auf Waffen, Munition und dgl., denen er neuerdings 23 ") Schiffsmaschinen und Steinkohlen beifügt,
beschränkt wissen. Jm Fall ein Schiff mit solchen Waren betroffen wird, hält er prinzipiell auch
die Confiscation des Schiffes selbst — zur Strafe — für gerechtfertigt, billigt dagegen eine Wegnahme
desselben, wenn es die Contrebande schon an Ort und Stelle gebracht hat und auf der Rückfahrt
begriffen ist, nicht.
Man sieht, die modernen Theoretiker gehen in der Beurtheilung dieser völkerrechtlichen
Streitfrage noch weit mehr aus einander, als die Praxis der Staten in unserm Jahrhundert. Auch
der neueste Versuch, eine Einigung unter ihnen herbeizuführen, welcher durch das »Jnstitut für
Völkerrecht« gemacht wurde, hat wenigstens diesen Zweck nicht erreicht. Die Ansichten, welche
in der Commission dieses Jnstituts, die sich mit der Behandlung des Privateigenthums im Seekriege
zu befassen hatte, bezüglich der Kriegscontrebandc vorgebracht wurden, weichen sehr von einander
ab”). Allerdings ging die Meinung der Mehrheit der Mitglieder dahin”), dass die Confiscation
der Kriegscontrebandc sich vollkommen rechtfertige durch die Betrachtung, dass der Handel mit
Contrebandewaren ein Akt der Feindseligkeit und die Confiscation eine Strafe für denjenigen sei,
,ö ) Gessner, Le droit des neutres sur mer, Cap. i; Kriegführende und neutrale Mächte (1877), S, 59 ff
20 ) a. a. O. § 803
Jl ) Die ausserdem angeführten „feindlichen Kriegsdepeschen“ können hier füglich ausser Betracht bleiben.
22 ) a. a. O. §. 805.
a3 ) Le droit des Neutres; vor allem pg. 22 ff, 63 ff, 112 ff, 123 ff, 138 ff der ersten Auflage.
a3fl ) Kriegführende und neutrale Mächte, 73 f.
a4 ) s. Revue du droit international (organe de l’institut de droit international), tome 7, pg 605 ff, 675 ff
2k ) Ibi pg. 605.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.