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näher zu präzisiren er ausdrücklich für überflüssig erklärt 14 ). Die zweite von ihnen schreibt dem
Neutralen vor 15 ), »sich nicht in den Kampf zu mischen, nicht Theil an ihm zu nehmen, keinem
der Kämpfenden eine wirksame Unterstützung zu leihen, und, in Folge dessen, seine Hand nicht
mit Dingen zu bewaffnen, die geeignet sind den Kampf ungleich oder schrecklicher zu machen.
Vor dem Streit stand es ihm frei, jedem das zu geben, was ihm beliebte: Waffen, Lebensrnittel,
kurz Alles ohne Ausnahme. Aber vom Beginn des Kampfes an begrenzt die durch ihn entstehende
Pflicht diese unbeschänkte Freiheit, und setzt ihr eine Schranke, und diese Schranke, diese Grenze
ist: zum Kampfe nicht mitzuwirken durch Geschenke oder Tauschgeschäfte. Der gemeinsame
Freund kann fortfahren, beiden Theilen Lebensmittel, Luxusartikel, kurz alle die Waren zu liefern,
die nicht unmittelbar wider den Gegner anwendbar sind. Aber er muss davon abstehen, Sachen
zu liefern, die sofort als Mordinstrumente gegen diesen Gegner dienen können. Bricht er diese
Pflicht, so mischt er sich in die Kriegshandlungen, er hört auf, friedlich und neutral zu sein, er
wird der Verbündete desjenigen, dessen Sieg er erleichtert, der Feind des andern.« Es scheint
nicht nötliig,« fährt Hautefeuille fort, »zu beweisen, dass das Liefern von Waffen an einen der
Kämpfenden, die direct zur Bekämpfung seines Feindes bestimmt sind, eine directe Einmischung
in die Feindseligkeiten ist: dies ist so offenbar, dass es unnütz ist, cs zu beweisen.« »Ls kann
aber die Erfüllung ihrer Pflicht von den Neutralen nicht seitens der Kriegführenden gefordert oder
durch sie den Neutralen auferlegt werden. Sic haben nur das Recht, die Auslieferung des gefähr
lichen Gegenstandes in die Hände ihres Feindes zu verhindern, und sich für die ihnen widerfahrene
Unbill zu rächen, die aus der Verletzung der Neutralität entspringt, und zwar durch einen directen
Krieg.« Demnach betrachtet Ilautefeuille nur Waffen und Munition als Kricgscontrebandc, alle
andern Waren, einschliesslich Salpeter, aber als erlaubt 10 ).
Auf einem ganz andern Standpunct als I lautefeuille steht Heffter 17 ), der »ausgehend von
dem Prinzip der Gleichheit aller Staten, wonach keiner der Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit des
andern unterworfen ist; erwägend, dass auch die Unterthanen eines neutralen States weder in
diesem, noch auf der offenen Sec Gesetze von anderen Staten zu empfangen haben, so lange sie
deren Gebiet nicht betreten; dass der Krieg kein anderes obligatorisches Verhältniss zwischen
jedem Kriegführenden und den Neutralen begründet, als dass letztere den kriegerischen
Besitzstand des erstcren, seinem Feinde gegenüber, nicht zu stören haben, ohne jedoch schuldig zu
sein, zur Erleichterung eines Kriegführenden etwas beizutragen, und dass im Uebrigen die Ver-
kehrsverhältnisse der Neutralen mit den Kriegführenden unverändert bleiben«, »als lhcsc eines
künftigen Völkerrechtscodex« den Satz aufstellt: »Es giebt keine Contrebandc- und Handelsver
bote zwischen Neutralen und kriegführenden Mächten. Die Bestrafung von Contrebandc ist ent
weder Anmassung oder prekäre Conzession. Nur die wirkliche Absperrung hebt jeden Verkehr
auf und berechtigt den Blokirenden zur feindlichen Behandlung jedes davon unterrichteten Contra-
venienten, wenn er die Sperre actuell zu verletzen im Begriff ist«.
Diese Auffassung Hcffter’s wird von zwei andern deutschen Gelehrten, Bluntschli 18 ) und
H ) a. a. O. ltd. 1, Titel 4 Sect. 1 (pg. 365 fT.)'
'*) a. a. O. Bel. 11, Titel 8, Sect. 1 (pg. 304 ff.).
>“) Jm Einzelnen fuhrt er dies aus a. a. O. Bd. 2, Titel 8, Section 2.
17 ) Heffter, das europäische Völkerrecht der Gegenwart (i. Aufl. 1844), §. 175,
|S ) Bluntschli, das moderne Völkerrecht, Buch 9, Abschnitt 4.

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