Full text: (Band XXIV.)

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mit Kriegscontrebande ableiten, als aus einer andern Stelle, 5 ) wo es heisst: »Qui neutrarum partium 
sunt, ea praestare utrique belligerantium parti debent, quae jure gentium debentur extra bellum. 
• atque adeo nihil difficultatis esse potest in determinandis iis, quae a Gente media recte 
hunt aut fieri non debent, in casu quolibet dato. — — cavendum saltern est, ne quid fiat, quod 
prodit majorem favorem erga partem unam, quam alteram.« 
Sehr eingehend sind dagegen die Untersuchungen Huebner’s. G ) Er geht davon aus, 7 ) dass 
den Kriegführenden alles das gestattet sein muss, was in einer nothwendigen Verbindung mit dem 
rechtmässigen Zweck des betreffenden Krieges steht, dass jedoch die Rechte eines Dritten nicht 
mehr darunter leiden dürfen, als man ihm vernünftigerweise im Interesse der Humanität zumuthen 
kann (»qu’ il ne peut ctre cense raisonnablement vouloir bien souffrir pour le bien commun de 
l'humanite«). Die Neutralität besteht nach ihm 8 ) in einer Enthaltung jeder Einmischung in den 
Krieg (»inaction entiere«) und in einer strengen und vollkommenen Unparteilichkeit (»impartiality«) 
gegenüber den Kriegführenden, sowohl bezüglich des Krieges selbst, als auch bezüglich der 
unmittelbar für ihn dienenden Mittel. Daraus folgert Huebner 9 ) erstens, dass die Neutralen keinem 
der Gegner Sachen zuführen dürfen, die zur Ausübung von Akten der Feindseligkeit dienen, und 
zweitens, dass sie Waren, die nicht ausschlieslich zu Kriegszwecken verwendbar sind, wenn sie sie 
einem der Streitenden liefern, auf Verlangen auch dem andern zu liefern verpflichtet sind. Die 
Kriegführenden sind deshalb berechtigt zur Confiscation von neutralen Schiffen, welche dem Feinde 
etwas zuführen, was unmittelbar zum Kriege dient: mögen dies nun Pferde sein oder Kanonen und 
sonstige Waffen, sowohl defensiver wie offensiver Art, oder Materialien, die zum Bau von Kriegs- 
o 
schiffen nöthig sind, 10 ) 
Diese Waren — nach der von Huebner adoptirten u ) Dreitheilung des Grotius die erste 
Classe — sind »Contrebandewaren ersten Grades«, falls sie direct für die Flotten oder Heere eines 
Kriegführenden bestimmt sind; werden sie dagegen ohne diesen direct ausgesprochenen Zweck 
nach Häfen einer Kriegspartei versandt, so gehören sie zu der »Contrebande zweiten Grades,« in 
welche Kategorie ausserdem die Transportschiffe und »die meisten« Waren der zweiten Grotius'schen 
Classe gerechnet werden: diese jedoch nur dann, wenn sie direct für die feindlichen Truppen 
verwandt werden sollen. 
Den theoretischen Unterschied zwischen beiden Arten von Contrebande sieht Huebner 19 ) 
darin, dass durch die Zusendung der ersteren der Neutrale aus der »inaction« heraustritt, also stets 
einen Bruch der Neutralität begeht, wogegen er durch die Zusendung der letzteren die Neutralität 
nur verletzt, wenn er dabei nicht die »impartiality« wahrt, also die Waren nur einem Theil zuführt, 
dem andern aber die Zufuhr verweigert. Diese »Contrebandewaren zweiten Grades« soll der 
s ) a. a.- O., § 683 und § 684 Anm. 
°) Huebner, De la saisie des bdlimens neutres (1759). 
7 ) a. a. O., Tome 1, P. 1, Chap. I, § 4. 
8 ) iüi 1, i, 2, § i. 
") ibi 1, f, 2 §§ 8, 9. 
10 ) ibi I, i, 6 § 5 und I, i, 7 § 7, sowie I, 2, I § 5. 
") ■, 2, 1 § 5- 
,5 ) iti I, 2, I § 10 und II, i, 4 §§ 6—8.
	        
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