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säure zu verordnen, wie ich es bei zweien gethan habe; erforderlich ist es jeden
falls nicht.
Ueber Ohrensausen und geringe Schwerhörigkeit haben fast alle P.
hin und wieder geklagt; doch gieng dies Symptom meistens sehr bald vorüber; bei
einigen fehlte es gänzlich.
Magen schmerzen, wie sie bei grossen Gaben von Salicylsäure beobachtet
sind, traten in keinem Falle auf. Es haben mich denn auch die vier Sectionen, bei
welchen ich, aufmerksam gemacht durch Herrn Professor Heller, auf das Verhalten
des Magens ganz besonders achtete, davon überzeugt, dass die Magenschleimhaut
durchaus nicht durch das Natr. salicyl. afficiert wird. Dieselbe zeigte sich in allen
Fällen völlig intact.
Schwere Durchfälle habe ich bei meinen so behandelten Typhuskranken
nie auftreten sehen; waren dieselben zu Anfang vorhanden, so pflegten sie rasch zu
schwinden.
Eine gleich günstige Wirkung habe ich bei den den Typhus ja meist beglei
tenden Bronchial-Katarrhen gesehen. Dieselben Hessen in der Regel ohne weitere
Medicamentalion bald nach. Selbst bei der Frau Horn, die zu Anfang von einem un-
gemein heftigen Husten gequält wurde, besserte sich der Bronchialkatarrh bei gleich
zeitiger Anwendung einer Mixtura solvens schon nach dem zweiten Tage ganz er
heblich. Ob Lungencollaps oder lobuläre Pneumonie bei der Behandlung mit Natr.
salicyl. den Typhus öfter complicieren wird, als bei der mit Bädern, scheint mir aus
diesem Grunde nicht wahrscheinlich.
Nicht ohne Interesse dürfte es sein, noch das Verhalten des Sensoriums der
mit Natr. salicyl. behandelten Patienten einer eingehenderen Besprechung zu unter
werfen. Nach meinen Beobachtungen wird dasselbe, sobald man begonnan hat, das
Fieber durch genügende Gaben im Zaum zu halten, meist freier, als es vorher ge.
wesen ist; die P. werden sehr bald besinnlicher, und verschiedene theilten mir spon
tan mit, dass sie sich viel freier im Kopf fühlten. Nur in einem Fall sah ich zu
gleich mit einer erneuten Temperatursteigerung, nachdem P. 2 Tage fast völlig fieber
frei gewesen war, mässig heftige Delirien auftreten. Es war dies der Fall III., Ty-
phusrecidiv; indes hatte dieser P. während der Behandlung mit Bädern nicht minder
deliriert, und nach einigen grossen Dosen von Kalium bromatum hörte dies sehr
rasch auf.
Weniger günstige Erfahrungen hat man in der hiesigen medicinischen Klinik
gemacht. Drei mit Natr. salicyl. behandelte Typhuskranke fiengen schon nach weni
gen lagen an, sehr heftig zu delirieren; einer derselben trug während derselben eine
ziemlich erhebliche Verletzung davon. Aus diesem Grunde sah Herr Prof. Bartels
sich veranlasst, von einer ferneren Anwendung des Natr. salicyl. abzusehen und wieder

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