Fall XI.
Emma Reese, 5 J., Arbeiterstochter, wurde am 25. Mai wegen einer Oste
omyelitis beider Tibien in das hiefige Kinderhospital aufgenommen. Beide Eltern der
P- find an Phthisis pulmonum zu Grunde gegangen, die Mutter erst, während des
Aufenthalts der P. im Hospital. Bei der Aufnahme bestand an der rechten Tibia
eine kleine Fistelöffnung, die auf rauhen Knochen führte; zudem war ziemlich be
deutende Schwellung der Umgebung vorhanden. Links war gleichfalls der untere
Theil des Unterschenkels vorn und an der medialen Seite stark geschwollen ; beider
seits Druckempfindlichkeit. Rechts wurde bald eine Erweiterung der Fistel vorge
nommen, durch die viel Eiter entleert wurde. Links giengen die Erscheinungen unter
constants Behandlung mit Eis zurück, so dass nach einigen Wochen gar keine
Schwellung mehr sichtbar war.
Auch rechts heilte die Incisionswunde sehr rasch, doch blieb noch eine sehr
kleine Fistelöffnung zurück, so dass Herr Prof. Petersen beschloss, in der Chloroform
narkose am 29. VI. eine Revision vorzunehmen. Als Resultat stellte sich heraus,
dass die Markhöhle der Diaphyse von oben bis unten erkrankt sei, weshalb die Auf-
meisselung der ganzen Tibia nöthig wurde. Eine schwere Wunddiphtheritis, die nach
einigen Tagen hinzutrat, machte die Aetzung mit einer sehr concentrierten Chlorzink-
lösun«r erforderlich, in Folge deren ein grosser Theil der umgebenden Weichtheile
und der Knochenrinde nekrotisch wurde. Nachdem die nekrotischen Partieen abge-
stossen waren, machte die Heilung rasche Fortschritte.
Am 22 X. zeigte sich wieder eine acute Schwellung des unteren Drittels der
linken Tibia! ohne dass dabei Fieber auftrat. Es wurde deshalb sofort die Behand
lung mit Eis und Carbolsäureinjectionen nach Hueter eingeleitet. Dieselbe hatte den
Erfolg, dass der Process keine weiteren Fortschritte machte.
Am 4. XI. trat plötzlich eine Steigerung der Temperatur auf 40,0 ein, nachdem
P in der letzten Zeit völlig fieberfrei gewesen war. Zugleich klagte P. über heftige
Schmerzen in der rechten Leistenbeuge und im Halse. Als Ursachen derselbe ergab
sich eine ziemlich erhebliche Angina tonsillaris, sowie eine Lymphangitis und Lympha
denitis des rechten Oberschenkels. Dabei war das Aussehen der fast verheilten
Necrotomiewunde ein sehr gutes. Auf die geschwollenen Lymphdrüsen wurde Eis.
appliciert; gegen die Angina wurden einfache Priessnitzsche Umschläge angeordnet.
Als am" 5! XI. 10 Uhr Vorm, die Temperatur auf 41,2 gestiegen war, begann
ich mit der Anwendung des Natr. salic^l.
Am 7 XI. Vm. war das Befinden der P. bedeutend besser; die Tonsillen waren
fast abgeschwollen. Am Nachmittag trat plötzlich unter Temperatursteigerung Erysipel
des rechten Unterschenkels auf, das von der Necrotomiewunde ausgieng. Da wir schon
früher bei Erysipel mit günstigem Erfolge Injectionen von Salicylsäure gemacht hatten-

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