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Fall III.
Friedrich Baumgarten, zyjähriger, ungemein kräftig gebauter Arbeiter,
wohnhaft in demselben Hause wie die vorige P., wurde am 4. September von mir
aufgenommen. P. ist seit etwa 6 Wochen schon unwohl, hat aber noch bis vor 10
Tagen gearbeitet. Seitdem hat er sich zu Hause gehalten, hütet aber erst 3 Tage
das Bett. P. klagt übet Kopfschmerz, Ohrensausen, grosse Mattigkeit, Trockenheit
im Munde, heftigen Durst, Appetitmangel, quälenden Husten, Schlaflosigkeit und sehr
unruhige Träume, ln den lagen vorher hat Verstopfung bestanden, jetzt in Folge
einiger Löffel von Oleum Ricini, die er sich selber verordnete, copiöser Durchfall.
Grosser Milztumor, Druckempfindlichkeit in der Jleocoecal- und Milzgegend. Wenige
Roseolaflecken über das ganze Abdomen zerstreut; Zunge ungemein trocken, mit
einem dicken, schmierigen Schorf belegt. Die Untersuchung der Lungen ‘ergiebt
einen ziemlich ausgedehnten Bronchialkatarrh, der erst nach 14 Tagen nachliess.
Daneben Katarrh des Pharynx und Schwellung der Tonsillen. Bei der Aufnahme
71/2 Uhr Nm. hat P. eine Temperatur von 40,6.
Diagnose: Typhus abdominalis. Er wird von vorneherein mit kalten
Bädern behandelt und ist vom 30. September ab völlig fieberlos. Gegen den Bron
chialkatarrh wurde eine Mixtura solvens verordnet. In den ersten Tagen trat fast,
regelmässig bei Aufnahme von Nahrung, die nur in flüssiger Form gereicht wurde,
Erbrechen auf. doch wurde dies bald seltner. Ein geringer Decubitus auf dem Kreuz
bein o-erade in der Mittellinie, machte ein Luftkissen für den P. erforderlich und
heilte dann sehr rasch.
Beim Beginn der Defervescenz traten sehr heftige Delirien auf, die durch
Kalium bromatum etwas gemildert wurden.
Am 8 Oct. wird P. aus der Behandlung entlassen.
Am 22 Oct. liess P. mich wieder rufen, nachdem er bereits seit 3 Tagen
unwohl gewesen. Derselbe hatte sich seit der Entlassung aus der Behandlung alle
möglichen Verstösse gegen meine Verordnungen, namentlich schwere Diätfehler zu
Schulden kommen lassen. Aus allen Symptomen liess sich unschwer ein Typhus-
recidiv erkennen. Namentlich war die Zunge wieder sehr trocken. Es wurden im
Laufe des Nachmittages 4 Bäder verabreicht; trotzdem wurde keine dauernde Tem-
peraturermässigung herbeigeführt. Um 10 Uhr Nm. begann die Behandlung mit
Natr. salicyl.
Nachdem P. am 24. und 25. schon fieberfrei gewesen, traten in der Nacht
zum 26. abermals Delirien auf. Dieselben wurden erfolgreich mit Kal. bromat. be
kämpft. Am 27. und 28. war P. wieder recht wohl.
In der Nacht zum 29. erwachte P. plötzlich mit einem äusserst heftigen Schmerz
im Leibe. Als ich gegen 8 Uhr morgens hinzugerufen wurde, fand ich den P. schon

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