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Von den Kalisalzen, dass Injaction derselben, auch nur in kleinen Mengen, in die Ingularvene augen
blicklichen Tod herbeiführt, und dass allmälige Einführung desselben durch den Magen oder in
Gestalt von Injectionen unter die Haut oder in die grossen Körperhöhlen. Sensibilitäts- und Mo-
tilitätslähmung, namentlich bei Fröschen deutlich hervortretend, Verminderung und Schwächung
der Herzthätigkeit und Sinken des Blutd.iucks uud zwar durch Affection des Herzens selbst, Sinken
der Temperatur und Schwächung der Centralorgane des Nervensystems bewirke, während bei der
f irculation der Kalisalze im Blut die Nerven selbst und die Muskeln nur wenig afficirt würden,
diese aber ausserhalb des Körpers, sogar in sehr schwachen Lösungen, abstürben. — Weil nun die
Resultate ihrer Versuche mit Bromkalium fast ganz mit diesen Kaliwirkungen übereinstimmten,
weil ferner Versuche mit Brom in Substanz, mit Bromnatrium und Bromammonium ergaben, dass
die T hiere entweder gar nicht starben, oder unter ganz andern, für die Kalisalze nicht charakte
ristischen Symptomen erlagen, so schlossen EULENBURG und Guttmann daraus, dass »die we
sentlichen und therapeutisch w ichtigste n Wirkung c n des Bromkalium auf Herz-
und Nervensystem nur auf den allgemeinen Eigenscha ft en der Kalisalze beruhe,
wobei das Brom als solches unwirksam ist.
Zu derselben Ansicht bekannten sieb auch SGHOUTEN, Meihnizen und Binz, denen sich
auch Th. Husemann anzuschliessen scheint. Ersterer identificirt die Wirkung des Bromkalium
und der andere Kalisalze, weil Chlorkalium genau auf das Herz wie Bromkalium, und subcutan
sogar etwas giftiger, als Bromkalium wirkte, während Bromkalium, in derselben Menge gereicht,
keine Functionsstörungen bedingte. Als etwaiger Wirkungsdifferencen einzelner Kalisalze erklä
rendes Moment sieht SCHOUTEN die Verschiedenheiten der Elimination an.
MEIHUIZen') fand experimentell, dass die Reflexthätigkeit der Frösche sehr bald durch
Bromkalium und Chlorkalium aufgehoben wurde, während Bromnatrium gar keinen Einfluss auf
dieselbe zeigte. Diese Wirkung constatirt er als eine centrale.
BiNZ 2 ) lässt sich nur auf eine Kritik einiger Arbeiten über Bromkalium ein, in welcher
er die Resultate derjenigeu, welche gleicher Meinung mit ihm sind, hervorhebt, während er die
Resultate der Andern einfach lächerlioh zu macheu sucht -
Dagegen glaubten Laborde und Martin-DamouRETTE und PELVET die Wirkung des Ka
lium bromatum allein dem Brom zusprechen zu müssen, während Rabuteau u. Nothnagel dem
Kalium u. dem Brom in gleicher Weise die erzielten Resultate concedirten. ■
SteinAueb sah in sehr zahlreichen an Warm- und Kaltblütern angestelllen Versuchen
mit Bromalhydrat 3 Hypnose und Anaesthesie, häufig nach vorübergehendem Reizstadium (Aldehyd
wirkung) eintreten, zugleich auch Sinken der Puls- und Respirationsfrequens und endlich nach einer,
je nach der Grösse der Dosis längeren oder kürzeren Zeit anhaltenden Frequenzzunahme beider
ein allmäliges Erlöschen der Respirations- und Herzthätigkeit (Stadium der Brom- resp. Brom
wasserstoffwirkung). Das Kalium hält er für ein Antidot gegen Brom, welches aus dieser seiner
oiganischen Verbindung nach einiger Zeit im Blute abgespalten wird. ln einer spätem Arbeit 4 )
bestätigte er seine früheren Befunde und fand ferner, dass Bromwasserstoff erhebliohe Motilitäts-
’) c. 1. c. pag. 26, 3.
) Die therapeutische Verwendung des Bromkalium. Deutsche Klinik 48. 1873.
) Ueber das Bromalhydrat und seine Wirkung auf den thierischen und menschlichen Organismus. Virchow’s Archiv 50. 2, 1870,
) Untersuchungen über die physiol. Wirkung der Bronipraeparatc., Virchow’s Archiv 59. 1. 1873.

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