2 6
nach dem Tode. Ferner tödtet es die Nerven, auch wenn das Salz die peripheren Theile des
selben gar nicht erreichen kann. Dieses und der Umstand, dass das Kaninchen in Versuch I
pag. 24, obgleich gelähmt, noch einen grossen Theil seiner Motilität besass (ähnlich wie die
Tabetiker), berechtigt uns zum Schluss, dass Bromkalium die Medulla spinalis zuerst lähmt, und
von da fortschreitend auch die peripheren, motorischen und sensibeln Nervenfasern afficirt. Dass
auch Letzere mit ergriffen werden, beweist die freilich erst sehr spät auftretende Vollständige
Reactionslosigkeit gegen gewisse Lagen (ausgetreckte oder in gestreckter Stellung in die Höhe ge
schlagene Beine : EULENBURG und Guttmann). Das etwas frühere Erlöschen der Nervenreiz;
barkeit im freien Bein, deutet jedoch auch auf eine geringe Afficirung der peripheren Fasern durch
das Salz hin. Dass auch im unterbundenen Bein die Muskelerregbarkeit rascher sank als beim un-
Yergifteten Thier erklärt vielleicht das Aufhören der Innervation durch Affection der. trophischen
Fasern, worauf Charcöx aufmerksam macht 1 ) - Es würde also ein Theil der Muskellähmung Folge
der Tödtung der Nerven sein.
Aus, meinen Versuchen mit Menschen zeigt sich ferner, dass Bromkalium auch den Reflex
apparat afficirt, indem es dessen Functionsfähigkeit beeinträchtigt. Diese Wirkung kann nun her
vorgebracht werden durch Erregung der SETSCilENOW’schen reflexhemmenden Centren oder durch
Paralyse der peripheren Nerven oder des Centralen Reflexapparats. Um diese Fragen zu entscheiden,
wurde im ersten der folgenden Versuche durch Durchtrennung des Rückenmarks, die Setschenow’schen
Centren ausgeschlossen und im zweiten dazu noch die Blutzufuhr zu den peripheren Nerven abge-
schnitten. Die Reflexerregbarkeit wurde nach der von TuERK 2 ) angegebenen Methode untersucht,
die vor all den andern Prüfungsmcthodcu den Vorzug verdient. Dabei habe jedoch nicht die über
triebene Vorsicht von Meihuizen "') gebraucht, der den Frosch zur Erholung nach Durchschneidung des
Rückenmarks erst einige Stunden in einen feuchten Raum legte; ich habe diese Cautelen eben für
übertrieben gehalten.
Versuch I,
Einem mittelgrossen Frosch wird 3 Uhr die mcd. old. durchschnitten, derselbe am Oberkiefer mittels eines Hakens
aufgehängt und die Reflexe durch verdünnte SUE)< hervorgerufen, welche so verdünnt genommen wurde (4 gt : 40 ebetmtf),
dass die eingetauchten Beine nach 8 Metronoinschlägen (auf 120 in der Min. gestellt) herausgezogen werden.
3 Uhr 5 Min. 0,2 grainrn der KBrlösung in den Bauch gespritzt.
3 Uhr 10 Min, nach 8 Metronomschlägen werden die Füsse herausgezogen,
3 Uhr 15 Min. * 18.
3 Uhr 20 Min. » 24.
3 Uhr 25 Min. » 34.
3 Uhr 30 Min. » 52.
3 Uhr 35 Min. » 76 langsam.
3 Uhr 40 Min. » 90 langsam.
3 Uhr 45 Min. » 120 langsam.
3 Uhr 50 Min. auf 150 keine Bewegung mehr. Athmung sistirt. Herz schlägt noch; Benetzung desselben mit der KBrlostinc
bewirkt nach 5 Min. Stillstand in der Diastole.
Versuch 11.
Einem mittelgrossen Frosch wird 9 Uhr 45 Min. nach Herauspraeparirnng des Nerv, ischiad. die linke hinter e
Extremität abgebunden, dann das Thier am Oberkiefer aufgehängt. Er zieht aus der verdünnten SH2O1 9 Uhr 50 Min. die r. freie
Extr. nach 8 Metronomschlägen heraus (auf 120 in der Min. gestellt), die Unke auf 18; 0,2 gramm KBrlösung in den Bauch injicirt.
') Klinische Vorträge über die Krankheiten des Nervensystems von Charcot, übersetzt von F.et zer. Zorlesung J, 11. II
■) Ueber den Zustand der. Sensibilität nach theilweiser Trennung des Rückenmarks. Wiener Zeitschr. Vif, 1. 1851.
*) Ueber den Einfluss einiger Substanzen auf die Reflexerregbarkeit des Rückenmarks. Archiv f. d. ges. Physiologie
Bd. 7 Heft 4 und 5. 1873.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.