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Falle (II.) zeigte der Mundschleim eine zähe- Beschaffenheit. Auch eine namhafte Veränderung
der Färbung der Rachengebilde habe ich nicht gesehen. Die Urheberschaft des am folgenden
Morgan bei Versuch II. bemerkten Rachenkatarrh's kann nicht mit voller Sicherheit dem Brom
kalium zugeschrieben werden. Trotzdem ist er immerhin ja leicht möglich, dass ein solches her
vorgerufen werden kann, wie VoisIN meint, durch örtliche Irritation veranlasst, ebenso wie eine
ödematösc Schwellung der Mundschle'mhaut und der Glottis. Die Schwerhörigkeit wie sic Huette
wahrgenommen hat, mit Ohrensausen ist dann auf einen Katarrh der Tuba Eustachii zurückzu
führen, der sich vom Pharyny fortgepflanzt hat.
Die auffällige Beobachtung Huette’S, dass durch Kaliumbromür Myopie, selbst Diplopie
und Amblyopie hervorgerufen werden könne, hat mich veranlasst auch nach dieser Richtung hin
aufzumerken. In Versuch I und II wurde eine Schätzung vorgenommen, während ich selbst meine
Sehschärfe mit Concavgläsern etc. prüfte, aber in allen 4 Fällen liess sich keine Aenderung der-
selben wahrnehmen. Wenn man bedenkt, dass HüETTE’s Untersuchungen in eine Zeit fallen, wo
man das Wesen der Kurzsichtigkeit noch gar nicht kannte, so darf es uns nicht Wunder nehmen,
dass er die von ihm beobachteten Annomalien der brechenden Medien als Myopie bezeichnete.
Diese können aber auf keinen Fall wahre Myoqien, d, h. Verlängerung der Sehaxe durch totale
oder partielle (des hintern Pols) Vcrgrösserung des Bulbus gewesen sein, cs ist aber immerhin
möglich, dass bei allgemeiner Erschlaffung des Muskelsystems auch eine Erschlaffung des Muse,
ciliaris und dadurch Verdickung der Linse, also eine Linsenmyopie, sich e'ngestellt habe. Die
Diplopie scheint auf eine Lähmung der Muse, oculi interni hinzudeuten und die Amblyopie auf
verminderte; Perceptionsvermögen der Retina.
Ebenso auffällig ist ("as Resultat von NlCOL und MOSSOP: dass eine Erweiterung der
Retinagefässe ruftrete. Herr Professor VOELKERS hatte die Güte meine Augen nach der Ein
nahme des Salzes zu ophthalmoskopiren und fand nichts verändert, eher noch eine Verengerung
der Venen, wie man nach der Herabsetzung der Herzfunction auch erwarten konnte. NICOL und
MOSSOP haben aber auch auf die primitivste Weise ihre Untersuchungen vorgenommen; sie haben
\or und nach dem Einnehmen des Medicaments den Augenhintergrund so lange gezeichnet, bis
die Zeichnungen übereinstimmten. Wer aber selbst die Dicke der Retinagefasse zu bestimmen
versucht hat, namentlich im umgekehrten Bilde, wird ohne Weiteres die Unmöglichkeit zugebeiv
Hätten diese Beobachter sich des El’KENS-DONDER’schen Mikrometer-Ophthalmoskop bedient, so
hätten sie doch wenigstens in Zahlen das Ergebniss ihrer Untersuchungen ausdrückcn können.
Pia anderes, aber viel weniger sicheres Diagnosticum des Blutreichthums des Auges wäre die
Färbung der Papille gewesen. Beider Untersuchung theilte mir Professor VOELKERS mit, dass Tags
zuvor sich ihm ein Herr vorgcstellt habe, welcher schon öfters von ihm und Professor JACOBSON
ophthalmoskopirt war, da Verdacht auf Glaucoma incipiens bestand. Dieser Herr hatte während
der vorhergehenden 2. 24 Stunden im Ganzen 12 Gramm Bromkalium genommen und bot bei
der Vorstellung das Bild eines Nachtwandlers dar, es bestand also bei ihm ein hoher Grad von
acuter Bromkaliumvergiftung. Trotzdem war an seinen Netzhautgefässen keine Annomalien zu
bemerken, da auch bei früheren Untersuchungen keine abnorme Weite derselben constatirt war
Ausserdem ist cs noch sehr fraglich bei den so verschiedenen Gegendruckverhältnissen des Bulbus
und des Schädelinnern, ob der Augenspiegclbcfund nach dieser Seite hin in allen Fällen einen
richtigen Rückschluss auf den Blutreichthum des Gehirns gestattet.
Dass die Harnmemge durch Bromkalium vermehrt werde, kann ich nicht mit Bestimmtheit

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