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Das Wärmegefühl im Magen, mitunter auch Druck und Völle, sind jedenfalls Erscheinun.
gen einer örtlichen Reizung und der daraus resultirenden Hyperaemie des Darmtracts. In den vier
letzten Experimenten war ein Einfluss auf den Darmkanal nicht zu bemerken, in den beiden ersten
dagegen wurde durch das Bromkalium entschieden Diarrhoe hervorgerufen. Jedenfalls bestätigt
dies die Warnung Cr.ARKE und ÄMORV’s das Salz nicht bei bestehenden Darmaffectionen anzu
wenden, andererseits ist die Annahme HüSEMANN’s ’), dass durch Bromkalium Gastroenteritis her
vorgerufen werden könne, unberechtigt, Die bei mir eingetretenen Durchfälle können nicht mit
völliger Bestimmtheit auf Rechnung des Kaliumbromürs gesetzt werden.
Der in allen Versuchen auftretende Stirnkopfschmerz wurde stets als ein dumpfes, drücken
des Gefühl beschrieben, als ob etwas den Schädelinhalt comprimire, welches die Sinne gefangen
nehme und die Klarheit der Gedanken beschränke. Derselbe verschwand aber bald, aber die
geistige Benommenheit blieb ziemlich lange, meistens den ganzen Tag bestehen.
Das Fehlen der reflectorischen Reizbarkeit der Zungenwurzel, der Gaumen- und Rachen
gebilde und der hintern Pharynxwand war in allen Fällen vollständig ausgesprochen, und zwar
habe ich dieses Factum nur und erst dann verzeichnet, wenn auch die Berührung der empfindlich
sten Theile dieser Gegend, der hintern Pharynxwand und der hintern Partien des Gaumensegels
nicht die leisesten Würgbewegungen hervorrief. Bei Versuch I. Hess der Erfolg lange auf sich
warten, trat aber dann auch desto cclatanter ein; und bei Versuch IV. schien es mir, als ob auch
die Sensibilität bedeutend verringert sei, konnte ja doch auch PüCHE nach 15—20 Gramm durch
Stechen und Brennen der äussern Haut keine Schmerzäusserimg Hervorrufen. Jedenfalls ist di j
Empfehlung GassELIN's ä ) sich des Bromkaliums zur Anaesthesirung des Gaumens, behufs vorzu
nehmender Staphylorhapie zu bedienen, nicht zu missachten, wie auch CZERMAK das Salz vo,.
seinen laryngoscopischcn Untersuchungen in internen Gaben anwandte. Die Behauptung von Bfnz,
dass die durch Bepinslung des Gaumens mit Bromkaliumlösung herbeigeführte Gefühllosigkeit
lediglich auf die Bepinslung selbst zu schieben sei, entbehrt jeglicher Stütze und Wahrscheinlich
keit. VoislN benutzt die Reflexlosigkeit als ein wichtiges Criterium für die Dosirung, da die
Kranken verschieden grosse Mengen Bromkalium zu dieser Wirkung noting haben, jedoch darf
nach ihm der Arzt es nicht so weit kommen lassen, dass auch die Sensibilität gehört wird, damit
dem Bromismus vorgebeugt, oder doch dieser möglichst lange hinausgeschoben werde. Er schreibt
auch die geringen Heilerfolge seiner Collegen den zu kleinen Dosen derselben zu.
Die Hirnsymptome: Abnahme des Gedächtnisses und der geistigen Klarheit und Sprach-
langsamung bestätigten Alle, welche fähig waren über ihren psychischen Zustand genau Rechen
schaft zu geben, sie traten namentlich bei Versuch I. und besonders IV. sehr deutlich hervor,
während sie bei II. und III. wohl vorhanden, doch nicht so praegnant sich zeigten. Es war ein
dumpfes Gefühl im Kopfe, was uns hinderte die Gedanken ordentlich zu rammeln, über die an
geregten Themata tiefere Reflexionen zu machen, und für das, was man zu sagen oder zu ant
worten beabsichtigte, schnell die geeigneten Worte zu finden, anstatt deren auch oft ähnlich klin
gende gebraucht, oder deren Silben verdreht oder verwechselt wurden. Dabei fiel es häufig schwer
die Zunge in die zum Aussprechen der Silbe nöthige Form zu legen, so dass also die einzelnen
Worte langsam und schleppend gesprochen wurden. Mit einem Worte, es war nicht allein das
1 Th. und A. I hisemann, Handbuch der Toxicologic. 1S62.
Du hrome et ties bromures. Th^se JV tie Paris 1867.

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