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so nimmt er an, dass die Lähmung hauptsächlich sich auf die Verbindung zwischen den motori
schen und sensibeln Zellen des Rückenmarks beschränke. Ferner fand er Verengerung der Ge-
fässe, besonders deutlich an denen der pia mater und der Retina des Kan'nchens. Auch sah er
nach verhältnissmässig geringen Dosen Bromkalium und Bromnatrium beim Menschen hypnotischen
Effect.
ScHOÜTEN ') fand nach Einspritzung grösserer Dosen Bromkalium Verlangsamung der
Herzbewegung nach kleineren, nicht tödtlichen, dagegen Beschleunigung derselben und Sinken des
Blutdrucks. Ersteren Effect glaubt er vom Eintritt des Todes überhaupt abhängig. Er stellt die
neue Theorie auf, dass durch Bromkalium eine Ernährungsstörung im Organismus mit Herabsetzung
des Stoffwechsels im Muskel- und Nervensystem herbeigeführt werde, wodurch denn auch die ge
ringere Leistung des Vagus und der vasomotorischen Nerven sich erklären lasse.
Nicol und Mossop 2 ), welche sich des Augenspiegels zur Diagnose der Blutfülle des Ge
hirns bedienten, fanden im Gegensatz zu fast allen Forschern nach Darreichung von Bromkalium
die Retinagefässe erweitert. — .
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen mögen genügen, um zu constatiren, zu welchen
verschiedenen, ja oft sich widersprechenden Resultate^ die Forscher gekommen sind. Angeregt
durch einen Vortrag des Herrn Prof. Edlefsen beschloss ich deshalb, auch selbst einige Versuche
an Menschen, bei völligem Wohlbefinden derselben, und an Thieren zu machen. Letztere habe
ich auf die allernothwendigsten beschränkt, da es mir nicht erforderlich schien, Experimente, mit
deren Resultaten die meisten Forscher übereinstimmen, noch wieder nachzuprüfen. Diese Thier
versuche habe ich im hiesigen physiologischen Institut unter Leitung des Herrn Prof. HENSEN
gemacht. Bevor ich das Bromkalium anwandte, prüfte ich es auf seine Reinheit; ich fand dasselbe
fast völlig den Anforderungen der Pharmacopoea Germanica entsprechend, d. h. absolut frei von
Bromsäure und Jod; jedoch liess das unter Wasser aufgefangene rothbraune Destillat aus Kalium
bromatum, Kaliumbichromat und concentrirter Schwefelsäure, welches sich auf Zusatz von Liquor
ammonii caust. zwar entfärbte, eine sehr schwache gelbliche Färbung zurück: es waren also höchst
geringe Spuren von Chlor vorhanden, eine Beimischung, die man wol an keinem, noch so sorg
sam bereiteten Bromkalium vermissen wird. Es ist demnach das Praeparat als ein sehr gutes zu
bezeichnen und von Vorne herein anzunehmen, dass das Minimum von Chlor keinen störenden
Einfluss auf die Wirkung des Salzes haben könnte.
Ich lasse meine Versuche, die ich an 2 meiner Freunde (Versuch I und II), welche mit
freundlicher Bereitwilligkeit sich entschlossen, als Objecte zu dienen, und denen ich hiermit meinen
Dank ausspreche, — und an mir selbst (Versuch III und IV), vornahm, hier folgen. Ausserdem
wurde mir durch die Güte des Geheimen Rathes Herrn Prof. BARTELS erlaubt, an 4 auf der hie
sigen medicinischen Klinik an Lues, resp. Ulcus molle Behandelten zu operiren (Versuch V—VIII).
Die Temperatur und die Pulsfrequenz wurden mit demselben Thermometer und derselben
Uhr bestimmt, und zwar Erstere durch Messen in der Achselhöhle und Letztere durch Zählen oder
Schläge während einer halben Minute und Verdopplung der gefundenen Zahl. Die Reflexerreg
barkeit des Gaumens wurde durch Berührung mit der Fahne einer Taubenfeder controlirt. Die
jedesmalige Dosis gab ich in einem halben bis ganzem Glase Wasser gelöst.
') c. 1. c. pag. 7, 12.
‘‘j Brit, Rev, L (No. 99) July 1872 (Ref. in Schmidt’s Jahrb, 156, 1872).

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