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Reizbarkeit In einigen Fällen anstatt Anaemie auftretende I lyperaemie leiten die Verfasser von
sehr rascher Lähmung der Gefässmuskeln durch grosse Dosen ab, während kleinere Contraction
bedingen Nach ihnen ist die Wirkung auf die Capillaren primär und daher auch der Eintritt
des Schlafs zu erklären, und das Salz ist ausserdem als ein Gift für Muskeln und Nerven an
zusehen. . .
LabokdE *) gesteht dem Kalium bromatum nur eine Wirkung auf das Rückenmark zu,
dessen reflexvermittelnden Organe es lähmt, dagegen werden nach HITZIG 2 ) nur die motorischen
Theile desselben afficirt, während BlNZ 3 ) den Tod durch Lähmung der Medulla oblongata ein-
treten lässt. . .
VoisiN hat trotz seiner zahlreichen Beobachtungen und seiner vielen und theilweise um
fangreichen Schriften über Bromkalium sehr wenig über die Theorie der Wirkung berichtet, nur
in einer Abhandlung*) spricht er sich über den Einfluss des Salzes auf die excitomotor,sehen
Centren des verlängerten Marks und des obern Theils des Rückenmarks aus. Da die Berührung
des hintern Theils der Zunge, der Rachen- und Gaumengebil !e und der Epiglottis kein Erbrechen
hervorrufe, so müsse die Leitung der Nervi glosso-paryngei, lingualis und vagi zu den Nerven-
centren der Bauchmuskeln und des Diaphragmas unterbrochen sein, es müssen also namentlich
die hintern und seitlichen Partien der Medulla oblongata und des obern Theils der Medulla
spinalis gelähmt sein.
Die Untersuchungen von Saib-MehmED 6 ) ZaepfEL") und SAISON') brachten nichts we
sentlich Neues sie leiteten alle Symptome von der Gefässcontraction und der sich daraus folgern
den Ischaemic ab. PURSER 8 ) dagegen schreibt dieselben der directen Contactwirkung auf die
graue Substanz von Hirn und Medulla spinalis und auf das Herz und die Muskeln zu.
Nach Bill 9 ) wirkt das Bromkalium nur insofern schlafmachend, als cs die überreizten
Nerven beruhigt und sich grosse Mengen Kohlensäure im Blut anhäufen, ähnlich wie bei eingc
schlossener Luft und nach reichlicher Mahlzeit
LFWITZKY 1ü ) der schon vor EULENBURG und GUTTMANN Versuche mit Bromkahum an-
-esteht hatte, sie aber erst 1868 veröftentlichte, stimmt im Ganzen mit ihnen überein. Ihm fiel
vor allen Dingen die Unterdrückung der Reflexerregbarkeit auf, welche er nach seinen an Fröschen
gemachten Experimenten weder von einer Affection der reflexhemmenden Setchenow’sehen Cen
tren, noch von der der peripheren Nerven, sondern vom Ergriffensein des reflectorischen Apparats
der Medulla spinalis, der grauen Substanz derselben, abhängig fand, da bei den Kaltblütern, die
mit Bromkalium vergiftet waren, Strychnin nicht im Stande war, starke Anfälle von Tetanus her
vorzurufen. Da ihm aber die centrifugalen Nervenfasern wenig oder garnicht afficirt erschienen,
') Sur Faction physiologique du bromure de potassium. Compt. rend. t. LXV. 2. 1867. (Ref. in Virchow’s Jabresb. 1867)
c. 1. c. pag. 3. **• ,
-) Zur Physiologie der Wirkung des Kalium bromatum. Berlin. Klm. Wochenschrift 19. 1867.
3 ) c. 1. c. pag. 6, 3.
4 ) De l’influence du bromure de potassium sur la force excitomotrice de la moelle. Ann. med.-psychol. Juillet
X9u bromure de potassium. These. Paris IV. 1869. (Ref. in Virchow’s Jahresb. 1869.)
6 ) De Faction physiologique et therapeutique du bromure de potassium. Thkse. Paris IV. 1869. (Ref. ebenda.)
1867.
7 ) c. 1. c. pag. 5, 10.
8 ) On the physiological action of bromide of potassium. Dublin quart. Journ. May 1869. (Ref. in Virchow’s Jahresb. 1869.)
s ) c. I. c. pag. 7, 5-
">) Ueber die Wirkung des Bromkaliuni auf das Nervensystem. Virchow’s Archiv 45. 1868.

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