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sogar in 75 pCt. aller mit diesem Salz behandelten Fälle gesehen haben: es sind nämlich die ver
schiedenen Hautaffectionen, die man mit dem Namen Bromexantem zusammenfassen kann und
welche VoiSlN von der Anhäufung des Bromkaliums in den Hautdrüsen herleitet. Derselbe hat
die verschiedenen Formen in ein System gebracht und führt als die häufigste den acneähnlichen
Ausschlag an, der Acne simplex und indurata entsprechend, auf Brust, Schultern und Gesicht (Nase)
welcher kurze Zeit nach dem Beginn einer Behandlung mit 3—4 Gramm auftritt und den Rabuteau
und Laborde von einer Verunreinigung des Bromkalium mit Jodkalium herleiten will. VEIEL 1 )
und VoiSlN fanden diesn Acneeruption meistens bei Personen mit ziemlich starker Haut, welche
sich in Folge starker Fettabsonderung fettig anfüllte.
Die zweithäufige Form erscheint als längliche oder rundliche Tumoren und Erhebungen an
den Beinen (Waden) von rosenrother oder kirschrother Farbe, mit gelblichen Punkten besetzt, mit
sehr starker Basis, einem röthlichen etwas oedematösen Hof und centralen und marginalen Er
hebungen, welche von einer rahmartigen Flüssigkeit erfüllt sind. Später sinken diese ein und es
tritt eine zu Krusten vertrocknende cremeartige Masse hervor. Sie sind gegen Berührung em
pfindlich und bilden sich manchmal durch neue Nachschübe immer wieder, oder sie gehen in ato-
nische stinkende Geschwüre über. Diese Form erklärt HUSEMANN ~) für das eigentliche Brom
exanthem und die mikroskopische Untersuchung von J. Neumann 3 ) ergab, dass diese Art von
Eruption durch eine Entzündung der Hautdrüsen bewirkt werde mit Vermehrung ihrer Zellen
elemente und consecutiver Zellenwucherung im Cutisgewebe, neben Vergrösserung der Hautpapillen.
Die HaarbäDc waren erweitert und stellen theils lange Schläuche, theils kugliche Bälge dar, in
denen sich Eiter, Epithelzellen und Smegmamassen befanden.
Seltenere Formen sind unregelmässige oder regelmässige runde, leicht erhobene Stellen,
dem Erythema rodosum ähnlich, und an den Extremitäten und am Rumpf vorkommend, die rasch
au (treten, auch rasch wieder verschwinden. Ferner sind als Folge der Bromkaliumcur beobachtet
oder doch aufgefasst worden: Furunkeln, Eczem der Unterschenkel, Pityriasis der Kopfhaut und
Broncefärbung einzelner Partien des Gesichts.
Alle diese Hautaffectionen verschwinden, wenn das Medicament angesetzt, oder die Dosis
verringert wird, meistens bald wieder, oft treten sie aber auch zurück, wie FalrET 4 ) und STARK 5 )
bemerkt haben, während mit dem Bromkalium fortgefahren wurde, jedoch ist bei einem Kranken
VOISINS, der mit der zweiten Form des Bromexanthems behaftet war, dieses erst nach 6 Monaten
bei Eintritt der warmen Jahreszeit, zurückgetreten. VEIEL sah nie Rückbildung der Acne bei Brom
kaliumgebrauch, sondern konnte, wie auch VoiSlN, ein Zu- und Abnehmen derselben proportional
der Steigerung ’oder Verminderung der Dosis wahrnehmen.
Das Bromkalium in Lösung wird sehr rasch resorbirt und zwar vom Magen rascher als
vom Rectum (Clarke und AmoRY) jedoch auch von den andern Schleimhäuten und dem Unter
hautzellgewebe, während die unverletzte Haut für die Salzsolution nicht permeabel ist.
.) Ueber Bromkalium Acne. Vierteljahreschrift für Dernatologie und Syphilis 1874.
1 ueber nromiamuu . . „ , „ ' , TT
2) Th Ilusemann: Handbuch der gesummten Arzne.mittellehre 1875. Band II.
1 Ueber die krankhaften Erscheinungen, welche in Folge des innern Gebrauchs von Bromkali an der Haut des Menschen
entstehen. Wien, med. Wochenschrift 6. 1873.
*) Ann. med. psych. 5 Ser. V. Mars; 1871. ' . .
ä ( Beobachtungen über die Wirkungen des Bromkaliums bei geisteskranken Epileptikern. Allg. Zeitschrift fur Isyshiatne
XXXI. 3- 1 874. 2

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