gesunden Menschen wahrgenommenen Erscheinungen angestellt, während VoiSlN') und PLETZER -)
ihre Versuche an Epileptikern Vornahmen. Andere Forscher haben nur an 1 liieren experimentiit
und Dosen bis zur Vergiftung gereicht, oder sie haben nur auf einzelne Erscheinungen geachtet.
Die Meisten aber haben bloss die therapeutische Wirkung des Kalium bromatum ins Auge gefasst.
Nach diesen Versuchen kann man die Wirkung des Salzes als eine öitliche und als eine
allgemeine bezeichnen. Wir wollen im Folgenden von den subcutanen Injectionen, die nach BlNZ 3 ),
ArxiNG 4 ), Amory und Clarke 5 ) heftigen Schmerz und Entzündung der Haut hervorrufen, und
von den Einspritzungen in die Urethra absehen, nach welchen DESORGUES c ) ebenfalls heftigen
Schmerz auftreten sah. Ebenfalls lassen wir die Inhalationen mittelst des Zerstäubungsapparates,
bei denen Marcq’ 7 ) und Sales GlRON 8 ) nach kurzer Zeit bedenkliche Zeichen einer Intoxication
bemerkten, unbeachtet und berücksichtigten nur die innere Darreichung in Substanz oder in Lösung.
Erstere ist wegen der Leichtlöslichkeit des Salzes sehr schwierig und würde nur im Munde
etwas heftigere örtliche Symptome hervorrufen, als eine Gabe in concentrirter wässeriger
Lösung, während die Erscheinungen im Magen und Darm dieselben bleiben würden.
Die örtlichen Symptome zeigen sich zuerst als starksalziger Geschmack, heftiges Brennen
im Munde und im Epigastrium und Gefühl von Druck ebenda, namentlich bei leerem oder wenig
gefülltem Magen. Selbst Erbrechen und Diarrhoen sind beobachtet worden. Bei einer stark ver
dünnten, oder bei einer kleineren Dosis sind diese Erscheinungen abgeschwächt oder fast garmcht
vorhanden: es wird meistens mir ein Gefühl von Wärme in der Magengegend empfunden. Der
Appetit bleibt in einzelnen Fällen ungestört, GRAF und VlGOUROUX®) haben sogar eine Steigerung
desselben bei kleinen Dosen wahrgenommen. Grössere Gaben bewirken aber leicht Durchfall und
Brechneigung oder Verstopfung, je nach der Individualität der Personen.
Gleich nach der Einnahme des Salzes pflegen Ructus aufzutreten und zugleich Speichel
fluss, welches später auch fortbesteht, während namentlich LabordE nach einer Dosis von i 5 gramm
Bromkalium der Salivation anhaltende Trockenheit im Munde und Bedürfniss zu trinken folgen sah.
Als Allgemeinwirkung zeigt sich nach grösseren Dosen gewöhnlich zuerst Kopfschmerz
und ein Gefühl von Schwere und Ermüdung der Muskeln. Nach LABORDE tritt 1—2 Stunden
nach dem Einnehmen Trübung des Sehvermögens, nach NUETTE sogar Myopie, selbst Doppel
sehen und Amblyopie auf. HUETTE sah auch öfters Schwerhörigkeit sich einstellen.
Bald zeigt sich auch die reflcctorische Reizbarkeit der Zungenwurzel, des Gaumensegels,
Pharynx und der Epiglottis, in den meisten Fällen schon nach kleinen Gaben, abgeschwächt, oft
gänzlich aufgehoben, während die Empfindung der Berührung bleibt. Auch die Sensibilität dei
Urethral- und Vaginalschleimhaut ist gewöhnlich vermindert; oft sind auch alle Schleimhäute, selbst
’) Recherches cliniques sur le traitement de l'epilepsie par le bromure de potassium. Bull, de therap. t. LXXl. 145.
Aout 15 et 30. 1866.
5 ) Bromkalium das Specificum der Neuzeit. Deutsche Klinik 10. 1868.
*) Berlin. Klin. Wochenschrift 22. 1867.
4 ) Bull. gen. de therap. Avril 30. 1870.
») The physiological and therapeutical action of the bromide of potassium and bromide of ammonium. Trad, par Laba-
die-Lagrave Gaz. hebd. de med. Ser. 2 IX., 40. 41. 43. 44' 1872. (Ref. in Virchow’s Jahresb. 1872).
°) Tourn. de Chim. med. Avril 1828. (Ref. in Dierbaeh, neueste Entdeckungen in der mat. med, 1837).
") Observation de bromisme. Union med. Juin 16. 1866.
8 ) Observation de bromisme a la suite de quelques inspirations de solution de brome pulverise. Revue med. Juin 3°. 1866.
9 ) Du traitement de certaines formes de l'epilepsie ou d’hysterie par le bromure de potassium. Gaz. des hopit. 1864.

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