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Kräfte werden. Die Elasticität des Lungengewebes wird eine Verkleinerung der
Athmungsorgane bewirken und der Atmosphärendruck, den Zug der Lungen unter
stützend, wird das Zwerchfell in die Höhe, die vordere Brustwand gegen die Wirbel
säule treiben. So kommt es, dass sich die Lungen gegen ihren Befestigungspunkt
zurück ziehen, und dass gerade ihre unteren und hinteren Parthieen zunächst die
Ruhelage gewinnen und ihren Luftgehalt austreiben können, weil bei abgeschwächten
Athmungsbewegungen die hinteren Theile des Lungenbehälters die geringsten Be-
wegungsexcursionen machen und dessen untere Grenze beim Liegen sogar nach
oben verschoben wird.
Geschwächt nun wird die inspiratorische Muskelthäthigkeit vor Allem durch
ein anhaltend hohes P'ieber. Fälle derart, bei denen kein anderer Grund des ent
standenen Lungencollapses als eine anhaltende Lage auf dem Rücken in schwer
fieberhaften Krankheiten anfgefunden werden konnte, habe ich oben mitgetheilt.
Traube stellte seine ersten Beobachtungen über den Collaps der Lungen
bei Kranken mit Ileothyphus behaftet an, einer Krankheit, in welcher ich in der
hiesigen Klinik äussert selten und eigentlich nur in den ersten Tagen nach der
Aufnahme Gelegenheit fand, jene Veränderungen in den Lungen zu beobachten.
Dies hängt zusammen mit der jetzt ausnahmslos bei Typhuskranken angewandten
Kaltwasserbehandlung, bei welcher zwar hie und da noch ausgebreitete Bronchial
katarrhe, niemals aber mehr ausgedehnte Collapse der Lungen mit nachfolgender
katarrhal - pneumonischer Infiltration beobachtet werden. Als sehr wesentlicher
Heileffect der Kaltwasserbehandlung des Typhus ist der Umstand anzusehen, dass
durch dieselbe immer und immer wieder tiefe und energische Inspirationen ausgelösst
werden, welche eine vollständige Entfaltung des Lungengewebes herbeiführen; und
dass die Kranken vor dem febrilen Sopor bewahrt und dadurch im Stande bleiben,
öfter ihre Lage zu wechseln.
Die nämliche Wirkung, wie die durch anhaltend hohes Fieber herbeigeführte,
hat selbstverständlich auch jeder andere Schwächezustand, welcher die Energie
der Inspirationsmuskeln beeinträchtigt. Bei der Peritonitis ist nicht, wie man
glauben könnte, vorwiegend die meteoristische Auftreibung des Leibes, wodurch
das Zwerchfell nach oben gedrängt wird, und auf diese Weise das Gesammtvolumen
der Lungen vermindert, Ursache von Collaps der Lungen, sondern die Oberfläch
lichkeit der Athmung, zu welcher der Kranke wegen der Schmerzen im Leibe bei
jeder Bewegung des Zwerchfells nach abwärts genöthigt ist. Denn auch in solchen
Fällen von Peritonitis, bei denen das Fieber gering und noch kaum ein merklicher
Meteorismus im Bauchraum vorhanden ist, entwickeln sich die Symptome des
Lungencollapses, Hochstand des Zwerchfells und eine auffallende Entblössung des
Herzbeutels von Lungensubstanz mit Verdichtung der hinteren LungentheileJ so
rasch, dass dieselben schon nachgewiesen werden können, ehe noch der Leib
merklich aufgetrieben ist. Ferner kann in Fällen von schmerzloser Ausdehnung
des Bauchraumes nicht fiebernder Personen, wie bei hydrops ascites und den

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