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Es ist bereits gesagt, dass der Eintritt des- zweiten Stadiums sich durch Reiz
erscheinungen markirt. Der gewöhnliche Zeitpunkt ist der 3. bis 5. Tag. Diese
Reizerscheinungen sind gewöhnlich nicht etwas neu Hinzukommendes, sondern gehören
einer durch das Trauma gesetzten Affection des Schädelinhalts an. So ist jede
schwere Commotio von einem Reizstadium gefolgt, jede Contusio, jede Verletzung
der Hirnsubstanz oder seiner Häute. Demnach könnte die Unterscheidung eines ersten
und zweiten Stadiums überhaupt unmotivirt erscheinen; wenn es auch keine tiefere
Bedeutung hat, so ist es doch prognostisch insofern berechtigt, als das Ausbleiben
der entzündlichen Reaction für gewöhnlich eine schwere Läsion des Schädelinhalts
ausschliessen lässt. Und das ist doch sehr wesentlich. Sehen wir, unter welcher
Form die Reizerscheinungen auftreten, so sind es zunächst diffuse Hirnsymptome:
Kopfschmerzen, Unruhe, Erbrechen, Gliederschmerzen, frequenter, harter Puls, Ver
engung der Pupillen, Injection der Conjuctiven, Ohrensausen, Delirien, Jactationen,
dann Unbesinnlichkeit. Es ist selten möglich zu bestimmen, worauf die Erscheinungen
im Einzelfalle zurückzuführen sind. Von Bedeutung ist es hier, den Kranken von
vorn herein beobachtet zu haben. Ist derselbe seit der Verletzung comatös gewesen,
hat sonst Erscheinungen schwerer Commotio dargeboten, so muss man natürlich zuerst
daran denken, aber stets sich gewärtig sein, dass zugleich Verletzungen des Schädel
inhalts sein können, Contusion des Flirns, Läsion der Meningen. Die Symptome des
Hirndrucks können gleichzeitig bestehen und das Bild noch complicirter machen. Aber
so schwere Verletzungen erreichen nur selten dies Stadium. Unter unseren 23 1 odes-
fällen überlebten bloss 3 die ersten 72 Stunden; 2 starben nach 3 Tagen, einer ohne
entzündliche Erscheinungen. Bei dem andern trat frequenter Puls auf, leichte epilepti-
forme Convulsionen, röchelnde Athmung; die Section ergab beginnende Abcessbildung
auf dem linken Vorderlappen; P'ractur beider Orbitaldecken. Der 3. Fall, welcher
am 7. Tage lethal verlief, wurde 3 Tage nach der Verletzung aufgenommen: Hitze,
Delirien, Kopf steif mit geringer Reizung nach links gehalten, steil hinten übergebeugt;
Bewegungen der Beine langsam und unsicher, Kitzeln wird empfunden. Bewusstsein
vermindert, Leib eingezogen. Unbesinnlichkeit, Pupillen starr, Puls 120, stöhnende
Athmung. Temperatur steigt von 38" successive auf 41,4. Ausser einer Fissur in
der mittleren Schädelzone fand sich starke Entwicklung der Venen dei feinen Hirn
häute auf der Convexität und erhebliche grün-gelbliche Exsudation. Beginnende
Pneunomie des rechten Unterlappens. —
In den Genesungsfällen, wo die Reizerscheinungen in markirter Weise bei
8 Kranken sich zeigten, waren dieselben nicht so heftiger Art: Kopfschmerzen, Er-
brechen, Schwindel, Ohrensausen, Unruhe sind die aufgezeichneten Symptome.

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