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deutliche Doppelbilder existiren, von denen das schräge ferner zu stehen scheint.
Der rechte Bulbus steht tiefer; die laterale Partie des rechten Oberaugenhöhlenrandes
ist verdickt. Nach 4 Jahren besteht das Doppeltsehen wie früher, fehlt, wenn der
Kopf etwas zurück gehalten, Bulbus nach unten gerichtet wird, tritt beim Blick nach
oben auf. Einen ganz ähnlichen Fall hat Bergmann gesehen, den er als Paralyse
des Trochlearis deutet (S. 235). — Wir wagen es nicht zu entscheiden, worin in
unserm Fall das Causalmoment liegt i ob die Verdickung der lateralen Partie des
Oberaugenhöhlenrandes den Bulbus in die fehlerhafte Stellung gedrängt, ob Iroch-
learis oder Abducens gelähmt, oder ob 2 Momente zusammenwirkten. —-
Am häufigsten sind die Lähmungen des Facialis und acusticus. Facialislähmung
kam unter den 23 Todesfällen 3 mal vor, Acusticuslähmung ist nicht notirt, was
seinen natürlichen. Grund darin hat, dass die meisten Verletzten comatös und Gehörs
prüfungen also unmöglich waren. In den 11 Genesungsfällen ist mehr weniger voll
ständige Gehörslähmung 9 mal gefunden, jedesmal auf derselben Seite, wo Ekchy-
mosis mastoidea, die nur in einem Fall fehlte. Lähmung des Pacialis kam 4 mal
vor, jedesmal mit Akusticusparalyse zusammen.
Interessant ist ein Fall von Trigeminuslähmung: ein Mann stürzt von einem
fahrenden Bierwagen, behält Besinnung, konnte nicht aufstehen. Aeussere Verletzung
hinter rechtem Ohr. Rechter Bulbus ist nach innen gelenkt, Pupille weit, Lider klaffen
im Schlaf. Rechte Stirn, Lider, Wange, Kieferwinkel unterempfindlich, rechte Selera
unempfindlich. Am 16. Tage Injection der rechten Conjunctiva Bulbi und centrale
Hornhauttrübung, dann centrales Hornhautgeschwür, welches in ungefähr 2 Monaten
zur Heilung kommt. Bei der Entlassung (nach 44 1 agen) ist der Abducens dexter
unverändert, kein Doppeltsehen, der erste Ast des rechten Quintus noch unterempfind
lich, Facialis normal.
Oculomotoriuslähmung ist 2 mal unter den Genesungsfällen gesehen, 1 mal
zugleich Ptosis und Pupillenerweiterung auf derselben Seite.
Den Verlauf und Ausgang der Lähmungen jedesmal zu verfolgen, würde zu
weit führen. In der Mehrzahl waren dieselben unvollständig, dauerten kurze Zeit,
sind also wohl selten auf schwere Läsionen der Nerven zu beziehen. Es liegt sehr
nahe, hier an die von Prescost Hewett so oft gefundenen Blutergüsse im Cavum
Arachnoideae zu denken. Besonders die Multiplicität der Lähmungen, sowie der
rasche Ausgleich würden zu der Ausdehnung dieser Blutergüsse und ihrer raschen
Metamorphose stimmen. —
Wir sind bei der Besprechung der Lähmungen unmerklich über die Grenze
des ersten Stadiums hinausgekommen, grade hier ist dieselbe auch nicht von Bedeutung,
was aus der Natur der die Lähmungen bedingenden Momente ohne Weiteres erhellt.

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