kann man dieselben in ihrer Entwicklung beobachten, so ist hier auch wieder wie bei
der Bewusstlosigkeit der freie Zeitintervall und der weitere Verlauf für den Hirn
druck entscheidend. Bei der Commotio treten die Erscheinungen gleich nach der
Verletzung auf und nehmen meistens bald an Intensität ab; bei Hirndruck treten sie
erst nach einem freien Zeitzwischenraum auf und nehmen an Intensität bis zu einem
gewissen Stadium zu. — In hochgradigen Fällen von Hirndruck können dann noch
bedeutungsvolle Momente hinzukommen, die einen localen Character tragen, nämlich
Pupillendifferenz und halbseitge Lähmungen; am günstigsten ist es natürlich, wenn
beide zusammen treffen. Leider ist das selten der Fall. So fehlen in dem oben auf-
geführten Beispiel von Hirndruck die Hemiplegie. In einem andern Fall, wo erst
Commotio, dann freier Intervall, dann Compression eintrat, war weder Hemiplegie,
noch Pupillendifferenz, totzdem sich ein handtellergrosses Blutextravasat von gut einem
Zoll Dicke zwischen Cranium und Dura fand, die ganze rechte Hemisphäre seinem
Volumen gemäss eindrückend ; das Fehlen halbseitiger Erscheinungen ist in der Kranken
geschichte eigenst betont. Es ist blos ein Beispiel vorhanden, wo in dieser Weise
die Symptome vollständig waren: Ein Mann stürzte in einen Kellerraum, wurde
ca. 5 Stunden darauf bewusstlos aufgenommen. Genauere Anamnese war nicht möglich.
Hautabschürfung und Schwappung in der Gegend des rechten Scheitelhöckers, Blutung
aus dem rechten Ohr, anhaltend; bedeutende Erweiterung der rechten Pupille; linke
Ober- und Unterextremitäten gar nicht bewegt, die rechten sehr lebhaft nach Art
klinischer Zuckungen, zum Theil mit abwehrendem Character (beim Aderlass). Puls
44, Respiration 26.
Weiterhin ist zu bedenken, das halbseitige Pupillenerweiterung sowohl wie
Hemiplegie auch andere Ursachen haben kann, als grade Hirndruck durch Bluterguss.
Zum Beispiel fand sich in einem Fall Pupillenerweiterung links bei einem 12 Cm.
grossen Quetschheercl des linken Vorder- und Unterlappens, der der Stelle der Ver
letzung diametral gegenüber sass; weitere Ursachen für derartige Oculomotorius-
paralysen sind Knochenbrüche der Orbita, Blutergüsse, Contusion des betreffenden
Bulbus. In Bezug auf die Hemiplegie findet sich ein Fall, wo als Grund für dieselbe
sich ein hühnereigrosser Blutheerd im linken Mittellappen zeigte ; Bewusstlosigkeit gleich
nach der Verletzung. Hieraus ist ersichtlich, dass man bei der Entscheidung, ob
Commotio oder Compressio, in der Zusammenfassung der Symptome und der Zurück
führung auf ihre anatomische Quelle nicht umsichtig genug sein kann, besonders wo
ein einheitliches Bild zu sein scheint, welches den therapeutischen Thatendrang her
ausfordern könnte.
In mehreren P'ällen wurde neben halbseitigen Lähmungen erhöhte motorische
Thätigkeit der anderen Seite gesehen. In einem Fall fand sich bei der Section auf

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