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Harnkanälchen durch Fibrinngerinsel verstopft und so der Mitwirkung am Absonderungs
geschäft entzogen wird, so erscheint uns die enorme Verminderung des Sekrets er
klärlich. Zudem scheinen an den Malpighischen Knäueln selbst Prozesse stattzufinden,
welche die Harnfiltration direkt erschweren und endlich haben wir uns noch der Ver
änderung des Blutlaufs in entzündeten Organen zu erinnern, welche ja bis zur voll
kommenen Stase führen kann. Von wie bedeutendem Einfluss dieses letzte Moment
sein kann, beweisen unter andern die Aetzversuche Heidenhain’s *).
Den Umstand hingegen, dass es trotz der grossen Behinderung im Kreislauf
nicht zu einer Hypertrophie des linken Ventrikels kommt, welche wie bei der
Granularatrophie der Nieren kompensirend die Absonderung des Harnwassers steigern
würde, erklärt Bartels daraus, dass das Hemniss allmählig und in einem durch
Eiweissverlust heruntergekommenen Organismus eintritt, »dessen Blutmasse also auch
die Mittel zu einer Extraernährung des Herzens nicht herzugeben vermag.«
Sei nun diese Anschauung vollständig richtig oder muss sie noch einige Modi
fikationen erfahren, jedenfalls erkennen wir es als eine Hauptaufgabe unserer
Therapie, das überschüssig zurükgehaltene Wasser aus dem Organismus zu entfernen.
Denn indem wir eine reichliche Wasserausscheidung veranlassen, bewirken wir eine
vermehrte Ausfuhr der Endprodukte des Stoffwechsels, vor Allem des Harnstoffs und
damit wird die Gefahr der Urämie in weitere Ferne hinausgerückt. Andrerseits er
möglichen wir durch Verminderung und Concentration der Paremchymflüssigkeiten
nach dem oben Gesagten direkt die Steigerung des Stoffwechsels und damit die
bessere Ernährung des Kranken. Ebenso wirken Bewegung etc., welche wir den
Patienten durch Entfernung der Oedeme des Unterhautzellgewebes etc. möglich machen.
Dass wir ausserdem durch gute Ernährung, Eisen und Chinapräparate unsre Kranken
vor den Gefahren der Hydrämie möglichst zu schützen suchen werden, versteht sich
von selbst. Die Erfolge Niemeyer’s **) mit Kuhmilch sind eklatant genug, um zur Nach
ahmung aufzufordern.
Pis stehen uns nun bekanntlich zur Beseitigung des Hydrops die Diuretica,
die Drastica und die Diaphorese zu Gebot. Es bedarf keiner Wiederholung der
Gründe, weshalb man die ersten beiden Arten von Mitteln bei Erkrankungen der
Nieren gerne vermeidet. Ueber die Drastica möchte ich nur die sehr zu beherzigende
Warnung meines hochverehrten Lehrers. Herrn Prof. Bartels anführen; die Folgen
ihrer Anwendung sind nur allzu häufig nicht wieder zu sistirende profuse Durchfälle,
welche die Kranken dem ihnen ohnehin drohenden Ende durch Anämie und Collaps
nur um so schneller entgegen führen. Von grossem Einfluss dagegen pflegt bekannt-
*) PFLÜGER’S Archiv f. d. ges. Physiol. B. IX. p. 16.
**) NiEMEYER, spec. Path, u. Then B. II. p. 30,

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