10
Menge bald wieder ausscheiden. Nur die Endprodukte des allgemeinen Austausches
mit den Geweben kommen wieder zur Abscheidern?.
o
Ausser den genannten Einflüssen müssen wir nun noch den des Nervensystems
erwähnen, welcher wenigstens von einer Seite *) eine von allen sonstigen Ansichten
abweichende Beurtheilung erfahren hat. Dass solche Einwirkungen wirklich vorhanden
sind, geht aus der Veränderung des Harns bei Gemüthsbewegungen und Hirnerkran
kungen **), sowie aus dem Erfolg des Stichs in den 4. Ventrikel dicht unterhalb des Acus-
ticus-Ursprungs hervor, durch welchen man bekanntlich Drabetes insipidus zu erzeugen ver
mag. Experimentell ist ferner nachgewiesen worden, dass durch Reizung des Vagus die
Sekretion gesteigert, durch Reizung des Splanchnicus major dagegen herabgesetzt werden
kann; beide Einflüsse scheinen vasomotorischer Natur zu sein . Ferner tritt nach Durch
schneidung des Rückenmarks eine vollkommene Sistirung der Harnwassersekretion
ein; es ist das die F'olge der Abnahme des arteriellen Druckes f). Sodann verdient
noch eine Bemerkung Westphal’s ff) Berücksichtigung, welche einen, vermuthlich
reflektorischen und zwar die Sekretion vermindernden Einfluss konstatirt. Während
nämlich zum Zweck der Injektion eine Vene freigelegt wurde und der Hund lebhafte
Schmerzensäusserungen machte, sank die bis dahin ungewöhnlich grosse Sekretmenge
plötzlich auf sehr kleine Werthe herab (von 22,2 Gr. in 15 Minuten auf 5,0 Gr.).
W. zitirt eine ähnliche Beobachtung von Hermann , welcher fand »dass die öfteren
Berührungen der Niere während der Operation zur Aufsuchung des Ureters eine überaus
langsame und spärliche Exkretion, ja zuweilen ein stundenlanges Ausbleiben des Harnes
zur constanten Folge hatten.«
Ueber die Ansicht Beneke’s ist zu bemerken, dass er die Versuche an sich
*
selbst anstellte und dieselben auf 23 Tage ausdehnte, während welcher er sämmtliche
Einnahmen und Ausgaben seines Körpers, abgesehen von der Haut- und Lungen
ausscheidung bestimmte. Er kommt schliesslich zu dem Resultat, dass der Zustand
des Nervensystems, welcher sich im Allgemeinbefinden deutlich ausspreche, nicht
nur von bedeutendem, sondern geradezu von bestimmendem Einfluss auf die Harn
sekretion sei. Für eine Vermehrung derselben wird eine freudige, leichte, für eine
Verminderung eine deprimirte Gemüthsstimmung verantwortlich gemacht. Es ist aber
doch wahrscheinlich, dass eine erhöhte Gemüthsstimmung besonders durch lebhafte
Muskelaktion, daraus folgendem gesteigerten Stoffwechsel und erhöhten arteriellen
Druck wirksam wird. Ausserdem ist zu bemerken, dass B. selbst bei einer andern
*) Beneke, Archiv f. gern. Arb. B. I. p. 391 ff. u. 570 ff.
**) Vglch. auch MoSLER, Virchow’s Archiv B. LVIIf. p. 44 ff.
*'**) Hermann, Physiol, p. 116 u. RancKE, Physiol, p. 508.
f) Heidenhain, Pflügers Archiv B. IX. p. 1 ff.
ff) 1. c. p. 522.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.