die Aufgabe des Organismus, das übermässig verbrauchte Wasser aus dem zuge
führten zu ersetzen.« Auf diesen Umstand möchte ich aber auch die von Falck ge
fundene Differenz zwischen Einnahme und Ausgabe zurückführen, besonders, da mir
die Versuche Westphal’s *•) dazu einen weitern Grund an die Hand geben.
Westphal expeiimentirte an Hunden, denen er die betreffenden Flüssigkeits
mengen theils durch den Magen, theils durch direkte Injektion in die Venen bei
brachte. Bei einer Anzahl von Voruntersuchungen, welche unter »gewöhnlichen Ver
hältnissen« angestellt wuraen, zeigten sich in der Abscheidung für verschiedene Zeiten
ebenso beträchtliche Differenzen, wie sie auch beim Menschen gefunden werden. Die
Quantitäten schwankten an demselben Thier auf den Zeitraum von 15 Minuten redu-
zirt, zwischen 3,8 Gr. und 18,7 Gr. an verschiedenen, und zwischen 4,5 Gr. und
10,9 Gr. an demselben Tage. In den beiden nächsten Versuchsreihen, bei denen
o-rössere Flüssigkeitsmengen auf einmal in den Magen des I hieres gebracht wurden,
zeigt sich noch annähernd eine den Einnahmen proportionale Ausgabe durch den Harn.
Bei der Injection in die Venen aber tritt das auffallende Symptom zu Tage, dass
unter gewissen Umständen die Vermehrung des Wasservorrathes im Körper eine
Steigerung der Ausgabe nicht zur Folge hat. Bei näherer Betrachtung der Um
stände ergiebt sich dann, übereinstimmend mit der Behauptung Ferber’s, dass dieser
Periode eine Zeit voraufgegangen war, in welcher auf kleine Injectionen hin eine un-
verhältnissmässig grosse Ausscheidung erfolgt war.
Weiter harmonirt mit der genannten Anschauung der von allen drei Beob
achtern übereinstimmend constatirte Umstand, dass die Steigerung der Ausscheidung,
auf welchem Wege auch die Flüssigkeit eingeführt sei, niemals sofort eintritt, sondern
erst eine beträchtliche Zeit verfliesst, ehe dieselbe deutlich wird. — Namentlich bei
der directen Injection in die Blutgefässe scheint kaum eine andere, als die genannte Er
klärung möglich. Nehmen wir aber die Richtigkeit derselben an, so wird der Zu
stand des Körpers vor den Versuchen von grösster Wichtigkeit. Wir würden nämlich
in Berücksichtigung dieses Umstandes einerseits nicht in den Fehler verfallen, einen
Organismus für sehr wasserarm zu halten, weil er soeben grosse Wassermengen ent
leert hat, andrerseits nicht in den, ihm grossen Wasserreichthum zuzutrauen, weil er
nur geringe Wasserausgaben macht. Denn beide Verhältnisse hängen nur davon ab,
wie viel Wasser vor dem Versuch verbraucht war. Hatte der Körper vorher eine
beträchtliche Wassereinbusse erlitten, so wird er von einer jetzt eingeführten Menge
den grössten Theil zurückhalten; war er dagegen vorher reichlich mit Flüssigkeiten
versehen, so wird er die aufgenommene oder doch eine derselben entsprechende
*) Virchow’s Archiv B. XVIII. p. 509.
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