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Die Symptome einer Fractur des Tibiakopfes varriircn natürlich nach Art und Sitz des
Bruches, ein Umstand, aus dem sich wohl die verschiedenen, ja;theilweise sogar geradezu ent
gegengesetzten Angaben erklären mögen, die über diesen Punct von den verschiedenen Autoren
gemacht werden. Die mehr allgemeinen Erscheinungen, die stets die Knochenbrüche begleiten,
wie Schmerz, sowohl spontan wie bei Bewegung, Druckschmerz, Bluterguss, mehr weniger gestörte
Function werden auch hier nie fehlen, jedoch springen gerade bei Tibiakopffracturen einzelne der
selben schärfer in die Augen, während andere dagegen mehr zurücktreten. So ist z. B. das sehr
häufig Knochenbrüche begleitende und mitunter nicht nur von dem Betroffenen selbst gefühlte,
sondern auch für die Umgebung hörbare Krachen in keinem der Fälle angegeben. In keinem
Fall fehlt dagegen der plötzlich auftretende Schmerz, sowohl spontan, wie bei Druck und Be
wegung. Ebenso ist ein Bluterguss immer vorhanden und zwar scheint derselbe immer ein sehr
beträchtlicher zu sein, so dass er sich häufig nicht allein auf den Unterschenkel beschränkt, sondern
sich auch mehr weniger weit auf den Oberschenkel erstreckt. Ob daran die spongiöse blutreiche
Beschaffenheit der Knochensubstanz die Schuld trägt, oder ob die Ursache in ändern Dingen liegt,
lasse ich dahingestellt. Für den grösseren oder geringem Grad der Functionsstörung kommt
natürlich wesentlich der Sitz und die Art des Bruches in Betracht, doch kann dieselbe, wie auch
Bardeleben 1 ) hervorhebt, auffallend gering sein. Wenn z. B. in Fall V. der Krancke sein von
einem Bruch mit Fissur ins Kniegelenk betroffenes Bein flectiren konnte, oder wenn gar im
Fall II. der Patient mit einer Fractur des Tibiakopfes vors Hospital geritten kam, so sind das
doch für eine Fractur höchst geringe Functionsstörungen. In den übrigen Fällen ist hierüber
nichts Näheres verzeichnet und das hat natürlich seinen guten Grund darin, dass einerseits der
Patient bei der grossen Schmerzhaftigkeit wenig zu solchen Versuchen geneigt sein wird und
andrerseits der untersuchende Arzt bei feststehender Dia gnose aus Humanität gerne davon absieht.
• Uebrigens wird auch dies Verhalten nach den übrigen Symptomen, nach dem Vorhandensein
oder Fehlen von Difformität, abnormer Beweglichkeit, Crepitation verschieden sein.
Was nun diese mehr characteristischen Zeichen von Fracturen, speciell zunächst die Difformität
bei Brüchen des Tibiakopfes anbelangt, so wird fast einstimmig von allen Autoren angegeben, dass
eine bedeutende Verschiebung der Fragmente in der Regel lehle. Nelaton 2 ) lässt eine solche über
haupt nur eintreten bei Schrägbrüchen unterhalb des Tibiofibulargelenks und er sowohl wie
Malgaigne erwähnen als eine grosse Rarität einen von Boyer beobachteten Fall, in dem bei einem
Querbruch des Tibiakopfs die Neigung zu Verschiebung so gross war, dass sie ungeheilt blieb.
Tritt überhaupt eine Verschiebung ein, so erklärt es Malgaigne als das häufigste Vorkommen, dass
das obere Fragment durch die Extensoren nach vorne gezogen wird. Im Gegensatz hierzu sagt
nun Stromeyer 3 ) in seinem Handbuch der Chirurgie: >Findet dieser Bruch in der Nähe des Knie
gelenks statt, so .wird das obere Fragment in die Kniekehle gezogen.« Ein solcher Widerspruch
in den Angaben muss auffallen und zwar um so mehr, wenn man bedenkt, dass es auf Beobach
tungen gestützte Aussprüche zweier grosser Autoritäten sind, die sich in diesem Falle gegenüber-
stehen, er ist aber andrerseits zugleich ein Beweis für die Richtigkeit der oben ausgesprochenen
Ansicht, dass eine Sammlung weiterer Beobachtungen über diesen Punct sehr wünschenswert!! sein
1) Bardeleben »Lehrb. d. Chir. u. Operat.« B. 11. p. 502.
2) Nelaton »Pathol. Chirurg.« I. p. 808.
3) Stromeyer »llandb. der Chir.« B. I. p. 757.

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