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suchen ein so auffallend häufiges, dass es fast den Anschein hat, als ob diese Gegend noch im
spätem Alter eine gewisse Schwäche den nahe gelegenen Partieen gegenüber behält, ein Umstand,
der vielleicht für die Entstehung der Tibiakopffracturen von Bedeutung ist. Ausser diesen mehr
weniger transversalen und theilweise mit ihnen combinirt kommen dann auch noch andere extra-
capsuläre Brüche vor. Es sind dies nach den cngestellten Versuchen besonders Längs- und
Schrägbrüche, die meistens von der Grenze zwischen Dia- und Epiphyse beginnend sich gerade
oder schräg nach unten erstrecken. Endlich sind dann noch extracapsuläre Absprengungen
kleinerer Splitter des Tibiakopfes, besonders an der Vorderseite beobachtet (Fall I. II.) und nicht
unschwer künstlich zu erzeugen, die ebenfalls sowohl durch directe, als auch durch indirecte Gewalt
entstehen. Zu den letzteren gehören besonders die mitunter beobachteten Abreissungen der tuberasitos.
Bei weitem häufiger als die extracapsulären sind dann die sich ins Kniegelenk erstrecken
den Brüche des Tibiakopfes und zwar nach den angestellten Versuchen so viel häufiger, dass die
immerhin sehr geringen Zahlen der oben angeführten Fälle das Verhältniss zwischen beiden viel
leicht noch zu günstig für die extracapsulären Brüche angeben dürften. Es sind diese Brüche
freilich wohl nie rein intracapsuläre, sondern meistens Fissuren, die zum Theil in Zusammenhang
mit extracapsulären Quer- oder Schrägbrüchen die Gelenkfläche des Tibiakopfes in den verschieden
sten Richtungen durchsetzen können. Was ich vorhin über die vielfachen Variationen der Brüche
des Tibiakopfes im Allgemeinen sagte, gilt eben ganz besonders für diese intracapsulären Fracturen.
Sie verlaufen sagittal, frontal oder zwischen beiden Richtungen, kreuzen sich oft in der verschie
densten Weise, mitunter sternförmig. So sind Absprengungen einzelner Theile der Gelenkfläche,
kleiner Stücke derselben, wie ganzer Condylen bis zur vollständigen Zermalmung der Epiphyse
beobachtet. J ) Ein paar sehr schöne Beispiele solcher Comminutiv-Brüche finden sich in Gurlts 2 )
»Lehre von den Knochenbrüchen« pagg. 313/14 und 109, von denen das letztere ausserdem noch
von ganz besonderem Interesse ist dadurch, dass es zugleich sehr instructiv die schon oben er
wähnte Auseinandersprengung des Tibiakopfes durch Einkeilung des untern Fragments in das
obere zeigt.
Das Verhalten der Fibula bei den Tibiakopffracturen ist insofern verschieden, als dieselbe
gleichzeitig mit fracturirt oder intact sein kann. Da sich solche Brüche derselben am Lebenden
sehr schwer und mitunter sogar gar nicht erkennen lassen, so sind nicht zur Obduction gekommene
Fälle zur Entscheidung über diese Frage natürlich wenig zu verwerthen. Man kann freilich mit
unter bei Heilungen später aus zurückbleibenden Difformitäten auf stattgehabte Fracturen der
Fibula schliessen, doch bieten einerseits solche Difformitäten gerade bei diesen Fibula-Brüchen
wenig Sicherheit für das wirkliche Vorhandensein einer Fractur und ist man andrerseits natür
lich nicht berechtigt, aus dem Fehlen einer solchen einen Bruch derselben auszuschliessen. Man
ist deshalb, wie gesagt, bei Entscheidung dieser Frage, besonders angewiesen auf Sectionsbefunde
und Vers-uche an Leichen. Was die ersteren anbelangt, so ist in den oben angeführten leider
nur zwei Sectionsbefunden beide Male die Fibula fracturirt gefunden und nach letzteren glaube
ich behaupten zu können, dass bei Brüchen des Tibiakopfes die Fibula sehr häufig mit gebrochen
ist. Bei direct entstandenen kommt natürlich die Richtung der einwirkenden Gewalt in Betracht,
bei indirecten war in der Regel die oberste Spitze der Fibula mit abgerissen, eine Fractur die
sich im Leben wohl schwerlich wird sicher constatiren lassen.
1) Malgaigne »Tr. d. Er. e. luc.« p. 800.
2) Gurlt »L. v. d. Knochenbrüchen« p. 313/14. 109.

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